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Doping-Diskussion am Rande der "Tour de Erneuerung "

Sonntag, 06.07.2008, 20:07 Uhr

Brest. Am Schlussanstieg von Plumelec, einem ruppigen Asphaltstück von knapp 2000 Meter Länge, verlor die Tour de Erneuerung gleich zum Auftakt wieder etwas von dem frisch aufgetragenem und so sauberen Putz.

Natürlich jubelte Spanien, immer noch aufgewühlt vom Euro-Rausch von Wien, wieder laut und lauter. Die Iberer leben gerade in einer Art kollektiven Sport-Hysterie, die auch noch durch den Wimbledon-Finalisten Rafael Nadal zusätzlich angekurbelt wird.

Und auch die französischen Gastgeber verneigten sich willfährig vor dem Tagessieger, der nach dem fulminantem Bergsprint dann auch gleich zum Herzog der Bretagne stilisiert wurde: Alejandro Valverde , 28 Jahre, aus Las Llumbreras in der Region Murcia.

Er hatte wenig, vergleichbar mit dem einstigen T-Mobile-Kronprinzen Andreas Klöden , zu sagen. "Sin commentario", antwortete der Mann im Gelben Trikot, angesprochen auf seine seit zwei Jahren im Raum stehende Verwicklung in die Fuentes-Affäre. Nachfragen unerwünscht.

Dabei ist eines immer noch ungeklärt: Ende September 2006 wurden die Decknamen Valv. und Piti - so heißt der Hund des Spaniers - in den Ermittlungsakten rund um die Person Eufemiano Fuentes entdeckt und entschlüsselt. Doch Valverde kam bislang, im Gegensatz zu Jan Ullrich (JAN), Ivan Basso (Birillo) oder Jörg Jaksche (Bella und JayJay), unbeschadet davon. Er schweigt vornehmlich und sitzt die Sache aus - auf dem Rad.

Und gleich wie Klöden, der als designierter Tour-Dritter 2006 den Ausschluss seines damaligen Teamkollegen Jan Ullrich bei der Rundfahrt durch Frankreich bedauerte, erklärte brandaktuell auch Valverde: "Schade, dass Alberto nicht hier ist. Ich werde versuchen, wie er das Gelbe Trikot in Paris zu tragen."

Alberto Contador, dem Doping-Vorwürfen ausgesetzten Vorjahressieger und Kapitän der ausgeladenen Skandal-Truppe Astana, soll in den Fuentes-Aufzeichnungen mit A.C. seinen Platz nahe Valv. und Piti haben. Das verbindet offenbar, und nachdem beide nahezu unbeeinträchtigt ihrem Job nachgehen, scheint auch das Selbstbewusstsein ungebrochen.

Ist Valverde etwa Kronzeuge in den mittlerweile in Spanien eingestellten Ermittlungen? Oder wird der auf der iberischen Halbinsel angehimmelte Superstar von höchster Stelle geschützt? In einer überarbeiteten Version der Fuentes-Akten, die im vergangenen Jahr auftauchte, sind Contador und Valverde plötzlich nicht mehr auszumachen.

Ungemach droht nun kaum noch, auch nicht durch den Untersuchungsausschuss des Olympischen Komitees von Italien (CONI). Ankläger Ettore Tori, der im Besitz der ursprünglichen Fuentes-Papiere ist, hat angekündigt, Valverde vielleicht als Zeugen hören zu wollen.

Vom 20. bis 22. Juli macht die Tour einen italienischen Abstecher und dabei Station in Prato Nevoso und Cuneo, Valverde logiert mit seiner Equipe Caisse d´Epargne im Hotel Cannon D´Oro in Chiusa. "Soll er kommen", meint Valverde in einem Tonfall zwischen angenervt und patzig. Und: "Ich freue mich, diesen Richter zu treffen und habe keine Angst davor."

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