Filmrezensionen
„Tropic Thunder“: Im Witz der Finsternis

Grotesk, überkandidelt und abstrus – „Tropic Thunder“ ist eine der abgedrehtesten Hollywood-Komödien der letzten Zeit und muss es sein, um als Parodie auf Kriegsfilme über Vietnam und das Fegefeuer der Eitelkeiten von Stars...

Donnerstag, 18.09.2008, 16:40 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 18.09.2008, 16:40 Uhr

Grotesk, überkandidelt und abstrus – „ Tropic Thunder“ ist eine der abgedrehtesten Hollywood-Komödien der letzten Zeit und muss es sein, um als Parodie auf Kriegsfilme über Vietnam und das Fegefeuer der Eitelkeiten von Stars, Studiobossen und anderen Egomanen zu funktionieren. Wie hier aus buchstäblich allen Rohren gefeuert wird, mit denen man Lachsalven erzeugen kann, ist rekordverdächtig.

Erzählt wird von den Dreharbeiten zum gewaltigsten Kriegsfilm aller Zeiten, womit Regisseur und Ko-Autor Ben Stiller die dreijährige Material- und Psycho-Schlacht von Francis Ford Coppolas Epos „ Apocalypse Now “ aufs Korn nimmt. Erlitt Coppola damals Nervenzusammenbrüche, so wird der Regisseur in „Tropic Thunder“ (Steve Coogan) satiregemäß mit einer Granate aus dem Spiel gefetzt.

Die drei Hauptdarsteller des Films im Film werden – also nicht zu spät kommen – der Reihe nach mit Fake-Trailern vorgestellt, die den Tenor vorgeben: Ben Stiller als Action Man Tugg Speedman, Jack Black als Comedian Jeff Portnoy und Robert Downey Jr. als fünffacher Oscar-Preisträger Kirk Lazarus. Das „Trio infernal“ wird, als wegen einer nicht gefilmten Explosion Millionen am Set vergeudet werden, im Dschungel ausgesetzt. Im Glauben gelassen, sie würden heimlich gefilmt, sollen sie extrem realistische, schauspielerische Höchstleistungen erbringen. Dumm nur, dass sie nach dem Tod des Regisseurs auf die Söldner eines Drogenkartells stoßen, die Tugg gefangen nehmen und Lösegeld fordern . . .

Aus dieser Vorgabe entwickeln die Macher eine unablässige Abfolge von meist verbalen Gags der unfreiwilligen Kriegshelden. Dies ergibt eine Reise in den Witz der Finsternis (um an Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ zu erinnern, der Coppola und andere Filmemacher inspirierte). Wer „Platoon“ und „Apocalypse Now“ kennt, hat Vorteile, weil er die parodierten Szenen identifizieren kann – vom Hubschrauber-Walkürenritt über die Kreuzigungsposen bis zur Explosion hinter dem aus dem Dschungel fliehenden „Forrest Gump“ oder Marlon Brandos Halbschattendämonie. Aber es klappt auch so.

Richtig weh tut der Film trotz arg blutiger Bilder nicht. Er ist meist komisch, oft albern und immer grotesk. Eindeutigen Spaß machen Stiller als Action-Star, der Hollywoods Behindertenfilme wie „Rain Man“ verspottet, Jack Black als heroinsüchtiger Fat Man und vor allem Robert Downey Jr. als Method Actor („Die Bücher lesen mich“), der sich für die Rolle die Haut dunkel pigmentieren ließ. In Erinnerung bleiben Gastauftritte, etwa der von Tom Cruise, der als fetter Studioboss zeigt, wo der Hammer hängt: krasses Fegefeuer der Eitelkeiten.

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