Lenz Musik
Queen: Erstes Studioalbum mit Paul Rodgers

Dienstag, 16.09.2008, 11:09 Uhr

Hamburg ­ Queen und Paul Rodgers haben der Versuchung widerstanden, ein Queen-Revival-Album zusammenzuzimmern. Das mag ­ je nach Geschmack oder Erwartungshaltung ­ eine gute oder schlechte Nachricht sein.

Aber es ist ehrenwert. Denn der Druck, der auf den Queen-Rudimenten Brian May und Roger Taylor nebst ihrem inzwischen auch nicht mehr so neuen Sänger Paul Rodgers lastete, muss enorm gewesen sein. Schließlich zählten Queen mit ihrem umwerfenden Glamour-Bombast-Rock zu jenen britischen Bands, die die Pop-Welt und das Lebensgefühl vieler Jugendlicher prägten. Dabei bildeten ausgefeilte Songs wie «Killer Queen» und «Bohemian Rhapsody» eine Einheit mit den Shows, die der exaltiert-genialische Sänger Freddy Mercury dominierte.

Queen und Paul Rodgers haben seit Beginn ihrer Zusammenarbeit 2004/2005 immer betont, der 1991 gestorbene Mercury sei nicht zu ersetzen. Gleichwohl werden sie immer an jener erfolgreichen Band-Ära gemessen werden. Das erste Studioalbum des Dreigestirns heißt «The Cosmos Rocks». Die Scheibe hat sicher mehr von Bands wie Free und Bad Company, bei denen Paul Rodgers einst war, als von Queen. Es ist damit auch der erneute Versuch der Band, sich von der übermächtig schillernden Figur Mercury zu emanzipieren. Das Album soll ­ so schreibt die Plattenfirma ­ den Beginn einer neuen musikalischen Ära der Gruppe markieren.

Da ist aber ein wenig Skepsis angebracht. Denn «The Cosmos Rocks» ist zwar ein durchaus solides Rockalbum, das die Handschrift dreier erfahrener Rockmusiker mit den musikalischen Wurzeln in den 60ern/70ern trägt. Aber es bietet wenig Innovatives und Inspiriertes, was Queen ­ egal wie man zu dem oft manierierten Art-Rock der Gruppe stand ­ in ihrer besten Zeiten zweifelsfrei hatte.

Hinzu kommt: Die Musiker haben tief, vielleicht zu tief, in die Trickkiste gegriffen. Der peppige Aufmacher «Cosmos Rockin'» ist reiner Rock'n'Roll. Das selbstreferenzielle «Still Burning» bietet soliden Bluesrock. Und «Small» ist ein schöner zeitloser Song. «Call Me» könnte von allen möglichen Bands aus den 60er Jahren stammen. Und auch einige Pop-Hymnen sind dabei, die ­ wie «Say It's Not True» von 2005 ­ bisweilen nur haarscharf am Kitsch vorbeischrammen. Am authentischsten hören sich die Stücke an, bei denen die Musiker härter zur Sache gehen wie in «Warboys» mit seinem stampfenden Beat, im Hardrocksong «C-lebrity» oder im fulminanten Rausschmeißer «Surfs Up...Schools Out».

Alles in allem mutet das Album, obwohl es tolle Songs enthält, ein wenig unentschlossen an, als wollten die Musiker allen und jedem etwas bieten. Und je öfter man die Scheibe hört, desto mehr Queen entdeckt man: Etwa diese typischen Gitarrenriffs von Brian May, den speziellen Beat des Schlagzeugs von Roger Taylor und opernhafte Chorsätze.

In Kürze stellt die Band das neue Album auf einer Deutschlandtour vor. Start ist am 21. September im Berliner Velodrom. Danach sind die Musiker noch in München (1.10.), Mannheim (2.10.), Hannover (4.10.) und Hamburg (5.10.) zu sehen.

www.queenpluspaulrodgers.comwww.emimusic.de

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