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Sachlich, nüchtern, fair

Freitag, 26.09.2008, 19:10 Uhr

Die Tagesordnung der Bischofskonferenz in Fulda konnte bunter und vielfältiger nicht sein. Es ging um den Dialog von Christen und Moslems in Deutschland , ferner um die künftige Medienarbeit der Kirche, um die kirchliche Trauung oder um die liturgische Einordnung des Friedensgrußes. Beobachter des kirchlichen Geschehens setzten gestern erwartungsgemäß die Aussagen des neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz zum künftigen Miteinander zwischen Christen und Moslems in die einleitenden Sätze der Meldungen und Berichte. Nicht erst seit der Auseinandersetzung um eine Moschee in Köln steckt Brisanz in der Frage, wie sich die deutsche Gesellschaft religiös und gesellschaftlich entwickelt. Die Größe der Moscheen und die Höhe der Minarette sind nur ein äußeres Zeichen dafür, dass sich spürbar etwas verändert.

Die Bischofskonferenz, deren neuer Vorsitzender Robert Zollitsch eine herzerfrischende Freundlichkeit und Sachlichkeit ausstrahlt, hat ganz zutreffend darauf hingewiesen, dass es im Miteinander der Religionen um Augenmaß geht. Kritik ist erlaubt, Hetze nicht. Damit ist auch alles gegen die merkwürdigen Kölner Agitatoren gesagt, die bereits den Untergang des Abendlandes befürchten. Dabei weisen die Bischöfe bei vielen Gelegenheiten gleichzeitig darauf hin, dass sie sich den in Deutschland grundgesetzlich verbrieften Freiheitsstatus der Religion auch in Ländern des Islam wünschen. Kein Zweifel: Von der Türkei bis nach Saudi Arabien gibt es auf diesem Feld gewaltigen Nachholbedarf.

Innerkirchlich blickt man mit Interesse auf die Frage, ob sich die Kirche künftig mit einem eigenen Fernsehkanal zu Wort melden sollte. Angesichts mancher religiöser Spartensender aus Europa und Übersee, die wie ihre eigene Karikatur wirken, sollte die Kirche hier – wenn überhaupt – nur mit äußerster Professionalität tätig werden. Das Engagement auf diesem Sektor stünde auch in einem merkwürdigen Widerspruch zu den gravierenden Sparaktionen bei der Katholischen Nachrichtenagentur und den großflächig fusionierten Bistumszeitungen. Johannes Loy

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