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Späher in New York

Dienstag, 23.09.2008, 19:09 Uhr

Dortmund . Rolf Kinne ist ein Späher und ein Werber in Personalunion . Seit vier Jahren leitet der Dortmunder in New York mit Enthusiasmus und mittlerweile auch Erfolg „ConRuhr“. Das ist ein Büro der drei Ruhrgebiets-Universitäten Bochum, Duisburg-Essen und Dortmund, die ausgerechnet in der US-Metropole auf sich aufmerksam machen wollen, was schlechterdings meint, den New Yorkern zuerst von der eigenen Existenz zu berichten. Mit dieser Offensive waren die Revier-Hochschulen lange Zeit allein auf weiter Flur und obendrein ihrer Zeit voraus. Derart, dass sie den beklagten Akademiker-Mangel in Deutschland seinerzeit nicht nur erkannt haben, sondern damals schon reagierten.

Kinne also, der Späher, ist gerade wieder in Deutschland. Seit dreieinhalb Wochen, um genau zu sein. Und das ist so lange, dass es ihn wieder zieht, lockt, treibt in seinen Ausguck, nach Amerika und dessen erster Metropole. Ehe der 67-Jährige die „ConRuhr“-Repräsentanz übernahm, leitete er, der Chemiker und Mediziner, das Dortmunder Max-Planck-Institut für Systemphysiologie. Davor lehrte er am New Yorker Albert-Einstein-College. Damals, erzählt er in seinem kleinen Büro im Zentrum für Biomedizin in Dortmund, habe er Amerika lieben gelernt und die zupackende Art der Amerikaner, „die erst Warum fragen und dann Wie“, was viel weniger hemmend sei.

Warum aber New York, warum nicht der Osten, China, Japan, Indien? Und: Wie soll jemand, der schon im Land der unbegrenzten Möglichkeiten aufgewachsen ist und dann noch in New York studiert, auf Deutschland und ausgerechnet das Ruhrgebiet aufmerksam werden? Sich dafür so interessiert, dass er seine sieben Sachen packt und herkommt; von der neuen in die alte Welt. Und dort ausgerechnet nach Dortmund, Duisburg, Essen oder Bochum?

Schon so zu argumentieren, erklärt Kinne mit einem Lächeln, sei typisch deutsch. Die Amerikaner, die kämen, seien angetan. „Sie loben den Wandel, die Bewegung, die Dynamik“, sagt er. „Oh, what’s that?“ Das sei nicht nur eine müde Floskel, das sei eine allgegenwärtige Neugierde, die es zu nutzen gelte, die er nutzt, in Amerika, fürs Revier.

„Amerikaner lieben zum Beispiel deutsche Autos“, erklärt Kinne. Also macht er sich diese Neigung zunutze, und wirbt fürs Ingenieurwesen und erklärt, wo das zu erlernen ist. Überhaupt: 90 000 bis 100 000 Studenten an den drei Revier-Unis, 1250 Professoren, 50 bis 60 Kurse in englischer Sprache und zusammen ein Etat von einer Milliarde Euro – „damit erreichen wir jene kritische Masse, die man braucht, um wahrgenommen zu werden“, sagt der Professor.

Knapp 100 US-amerikanische Studenten wagen jedes Jahr den Sprung über den Großen Teich. Schnuppern hinein ins Ruhrgebiet und erleben, was ihnen der 67-Jährige in warmen Tönen empfohlen hat. „Die, die hier waren, sind allesamt sehr zufrieden“, erzählt er. Sind sie wieder zu Hause, versucht Rolf Kinne, sie als Multiplikatoren einzusetzen.

„ConRuhr“ ist ein Erfolg. Und wird darum mittlerweile gerne kopiert. Die Freie Universität in Berlin hat seit Neuem eine Dependance in Big Apple, die Münchner Uni, die Heidelberger, die Aachener gemeinsam mit der in Köln. Münster hingegen ist dort nicht präsent.

Warum gerade die USA? Am Ende des Gesprächs kehrt Kinne zur Ausgangsfrage zurück. „Dort kann man sich gut vorbereiten für die eigene Internationalisierung“, sagte er. „ConRuhr“ will expandieren: Büros sind in Peking geplant, in Indien, in Moskau. Wie das geht? Falsche Frage. „Warum“ wäre die richtige. Die Antwort liegt auf der Hand.

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