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Torsten Frings deutet Rücktritt aus DFB-Team an

Frankfurt/Main - Bundestrainer Joachim Löw hat mit Unverständnis auf die heftige Kritik von Torsten Frings reagiert und will sich bei seinen Personalplanungen auf dem Weg zur WM 2010 auch von der Rücktrittsandrohung des gefrusteten Bremer Routiniers...

Freitag, 17.10.2008, 09:10 Uhr

Frankfurt/Main - Bundestrainer Joachim Löw hat mit Unverständnis auf die heftige Kritik von Torsten Frings reagiert und will sich bei seinen Personalplanungen auf dem Weg zur WM 2010 auch von der Rücktrittsandrohung des gefrusteten Bremer Routiniers nicht unter Druck setzen lassen.

«Er genießt bei mir weiterhin eine hohe Wertschätzung, allerdings kann ich im Sinne des Konkurrenzkampfes keine Stammplatz-Garantie geben. Das ist aber keine Frage fehlenden Respekts gegenüber ihm, wie er das formuliert, sondern der Einschätzung der sportlichen Situation im Nationalmannschaftskader und damit auch seiner sportlichen Perspektiven», sagte Löw.

Frings hatte bei den letzten beiden WM-Qualifikationsspielen gegen Russland (2:1) und Wales (1:0) nur auf der Bank gesessen. Aus Frust darüber deutete er in einem Interview mit der «Bild»-Zeitung erstmals einen Rückzug aus dem DFB-Team an. «Ich habe erklärt, dass ich mir Gedanken mache, ob ich noch eine Perspektive sehe. Ich stelle die Nationalmannschaft jetzt aber erst einmal hinten an und konzentriere mich voll auf Werder. Wir haben in den nächsten Wochen einige wichtige Spiele», bestätigte Frings nach dem Bremer Abschlusstraining für das Bundesliga-Heimspiel gegen seinen Ex-Club Borussia Dortmund seine Gedanken.

Zahlreiche Medienvertreter verfolgten den Auftritt des Routiniers. Frings erhielt Rückendeckung von Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs . «Wir haben über seine Situation gesprochen. Er will sich jetzt die Zeit nehmen, über seine Perspektive in der Nationalmannschaft nachzudenken - nicht mehr und nicht weniger. Dabei geht es nicht darum, eine Stammplatzgarantie einzufordern», sagte Allofs. Der Werder-Manager betonte, dass es sich nicht um einen zweiten Fall Kuranyi handelt. «Es wäre genau das Falsche, jetzt vorschnell zu reagieren. Aber genau das macht Torsten auch nicht.»

Frings vermisse bei Löw «Rückendeckung, Vertrauen und Respekt». Dass der Bundestrainer auf ihn baue, merke er nicht. «Und mit fast 32 Jahren hast du ein Gespür für so etwas. Ich sehe bei ihm derzeit keine Perspektive für mich», sagte der 78-malige Nationalspieler, der gegen Wales nicht einmal eingewechselt worden und zuvor gegen Russland nur sieben Minuten zum Einsatz gekommen war. «Ich spiele nicht, darf mich gegen Wales noch nicht mal warmlaufen. Das war für mich die Krönung, eine Demütigung», sagte der 31-Jährige in der «Bild-Zeitung.»

Löw, der vor dem DFB-Präsidium in der Verbandszentrale in Frankfurt/Main eine positive sportliche Bilanz für das Jahr 2008 zog, wies die Anschuldigungen zurück. «Wir hatten immer Respekt vor den Leistungen von Torsten, aber mit Blick auf die WM 2010 in Südafrika müssen auch jüngere Spieler, die sich in der Bundesliga ebenfalls durch gute Leistungen hervortun, ihre Chance erhalten», begründete der DFB-Coach seine Entscheidung.

Dies habe er Frings nach dem Wales-Spiel in Mönchengladbach auch klar gemacht. «Ich habe mit Torsten in den vergangenen zwei Tagen zwei ausführliche Gespräche über seine Rolle und unsere aktuellen Überlegungen geführt», sagte Löw, der durchaus Verständnis für Frings hat: «Logischerweise sind Spieler unzufrieden, wenn sie nicht spielen. Aber das ist eine Situation, die ich möchte.» Derzeit sei der Routinier jedoch nicht erste Wahl. «Ich weiß, dass er seine Leistung noch bringen kann und bringen wird. Jetzt muss er diese Pille eben auch mal schlucken», sagte Löw.

Wie Kevin Kuranyi, der nach seiner Flucht in der Halbzeitpause des Russland-Spiels von Löw aus der DFB-Auswahl verbannt worden war, will sich auch Frings mit seiner Reservistenrolle nicht abfinden. «Ich bin keine beleidigte Leberwurst. Aber ich weiß, was ich kann, was ich für den DFB und auch für Jogi Löw geleistet habe - und damit weiß ich auch, dass ich so nicht mit mir umspringen lassen möchte.» Allofs sieht das ähnlich wie Frings: «Aus unserer Sicht gehört er aufgrund seiner Leistungen in die Nationalmannschaft», sagte der Manager.

Seine Degradierung könne er nicht nachvollziehen, erklärte Frings: «Ich habe nichts gegen Simon Rolfes oder Thomas Hitzlsperger. Im Gegenteil. Ich weiß aber auch: Sie sind nicht besser! In der Nationalelf sollte doch immer noch die Leistung aus der Bundesliga entscheidend sein.» Über einen Rücktritt aus der Nationalmannschaft werde er in Ruhe nachdenken: «So eine Entscheidung braucht Zeit.» Nationalmannschafts-Kollege Bastian Schweinsteiger hofft auf einen Verbleib des Werder-Profis: «Einen Rücktritt fände ich schade. Torsten ist ein guter Typ und verbreitet immer gute Stimmung in der Mannschaft.»

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