Politik Inland
Kampf gegen den Klimawandel: Auf das Unvermeidliche vorbereitet

Mittwoch, 17.12.2008, 20:12 Uhr

Hamburg - Der Forscher lässt keinen Zweifel daran: Selbst wenn alles „optimal läuft“ beim Klimaschutz weltweit – und das ist eigentlich kaum zu erwarten –, wird es auf der Erde um mindestens zwei Grad wärmer werden.

Es deute sich aber an, dass der Klimawandel schneller und stärker eintreffen werde als bislang erwartet, sagt Wolfgang Lucht vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Die Welt wird ganz anders aussehen in den nächsten Jahrzehnten, als wir uns das im Moment klarmachen“, befürchtet Lucht. Das Bundeskabinett hat deshalb am Mittwoch ein Strategiepaket gegen die Folgen des Klimawandels angestoßen.

Die Probleme sind riesig. Beispiel Gesundheit: Allein im Hitzesommer 2003 starben in Deutschland 7000 Menschen zusätzlich – meist an Herz- und Kreislaufkrankheiten, wie Klaus Theo Schröder , Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium , erklärte. Es könnten künftig mehr Menschen unter Allergien leiden wegen des längeren Pollenflugs durch die sommerliche Trockenheit. Dazu könnten eingeschleppte übertragbare Krankheiten kommen. So könnte sich dank höherer Temperaturen die „Asiatische Tigermücke“ hierzulande ansiedeln. Sie überträgt Viren, die das gefährliche Dengue- und das Chikungunya-Fieber auslösen. Für solche Krankheiten müssten Ärzte sensibilisiert werden, damit sie sie schnell erkennen.

Auch der Verkehr wäre betroffen: „Hoch- und Niedrigwasserstände könnten die Binnenschifffahrt länger zum Erliegen bringen als heute üblich“, so Wolfgang Hahn vom Verkehrsministerium. Straßen müssten hitzefester gebaut, Häuser und Städte stärker auf den Hitzeschutz ausgerichtet werden. Um erst gar nicht zu reden von Maßnahmen gegen Hochwasser und Sturm.

Wirtschaftliche Folgen könnte die Veränderung für Bauern haben – noch stärkere Trockenheit droht zum Beispiel in Brandenburg.

Bis 2011 soll ein gemeinsamer Aktionsplan von Bund und Ländern entwickelt werden, der festlegt, was beim Klimafolgenschutz nötig ist – und in welcher Reihenfolge.

Dass es sinnvoll ist, in den Schutz zu investieren, beweist Bayern. Seit dem Pfingsthochwasser 1999 werden neue Hochwasserschutzmaßnahmen dort bereits 15 Prozent größer gebaut, als man aufgrund der statistischen Daten für ein Jahrhunderthochwasser planen müsste. Von einem „Klimazuschlag“ spricht Jörg Stumpp vom bayerischen Umweltministerium. „Hätten wir den Sylvensteinspeicher nicht größer gebaut, dann wäre mit großer Wahrscheinlichkeit 2005 beim Hochwasser ein Großteil Münchens überflutet worden – mit sicher über einer Milliarde Schaden.“

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