Politik Inland
Streitfall Deutsch

Mittwoch, 03.12.2008, 19:45 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 03.12.2008, 19:45 Uhr

Münster. Event statt Veranstaltung, Fashion statt Mode : Fremdwörter überfluten den deutschen Alltag. Ist die deutsche Sprache bald ein Fall für die Geschichtsbücher? Der Beschluss des CDU-Parteitags , Deutsch in der Verfassung zu verankern, hat eine kontroverse politische Debatte um den kulturellen Wert der eigenen Landessprache ausgelöst.

In Stuttgart hatten die Delegierten am Dienstag gegen den Willen von Kanzlerin Merkel einem Antrag des Landesverbandes Saar zugestimmt, in dem ein Zusatz zum Grundgesetzartikel 22 mit der Formulierung gefordert wird: „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch.“

Werner Jostmeier, der im EU-Ausschuss der Regionen für eine stärkere Bedeutung von Deutsch als Amtssprache kämpft, spricht der Antrag aus dem Herzen: „Wir zerstören durch die vielen englischen Begriffe die deutsche Sprache“, beklagt der CDU-Integrationsexperte (Dülmen). Die Initiative sei kein Affront gegen Zuwanderer. Im Gegenteil: „Zuwanderer sollten ihre Herkunfts-Sprache weiter sprechen, aber sich mit guten Deutschkenntnissen hier bewegen können“, wirbt er für die Zweisprachigkeit. Kein Verständnis hat er für deutsche Politiker, die in EU-Gremien freiwillig englisch sprechen, während andere Nationen die eigene Sprache hochhielten. „Jeder Vierte in Europa spricht deutsch, jeder Zweite versteht deutsch.“

Auch Walter Krämer , Chef des Vereins Deutsche Sprache aus Dortmund, unterstützt den CDU-Antrag: Man komme fast in keinem Lebensbereich mehr ohne Anglizismen klar, bedauert Krämer: „ Jede Nation braucht einen Fixpunkt.“

Volker Nickel, Sprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft, verteidigt seine Branche gegen den Vorwurf, mit ihrem „Denglisch“ die deutsche Sprache zu verunstalten: „Warum zeigen Politiker mit dem Finger auf die Wirtschaft? Sie machen Hunderte von Gesetzen in einer Sprache, die kein Bürger versteht“, schießt er zurück. „Politiker sollten mal ihre Kinder auf den Schulhof begleiten, dort sind englische Begriffe gang und gäbe.“ Vielleicht wollten Politiker nur davon ablenken, „dass sie verunsicherten Bürgern sonst derzeit wenig bieten können.“

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