Cine-Lenz
"Sieben Leben": Wie der Gesang im düsteren Keller

Freitag, 09.01.2009, 09:01 Uhr

<1>Will Smith verarbeitet in „Sieben Leben“ eine persönliche Schuld und will dafür sieben andere Menschen reich beschenken – mit sich selbst als sterbebereitem Ersatzteillager für Organe. In den Filmen „ Jerichow “ (mit Benno Fürmann und Nina Hoss) und „Alter vor Schönheit“ (mit Peter Lohmeyer und Armin Rohde) stehen tödliche Krankheiten im Zentrum. Der Sensenmann ist Top-Thema – nicht nur in den Kinostarts dieser Woche. Doch in der Welt des Entertainment, wo alles immer lustig sein muss und bunt und verrückt, ist der Tod nach wie vor eines der letzten großen Tabus. Obwohl er zum Leben ebenso gehört wie die Geburt. Obwohl er in jeder guten Story immer auch enthalten ist.

Würde der Held jedes beliebigen Action- oder Horrorfilms, Krimis oder Thrillers nicht immer wieder Gefahr laufen, sein Leben zu verlieren: Es käme keine Spannung auf, der Genrefilm hätte keinen Sinn. Oder Krankenmelodramen. Jeder Hollywood-Mime greift irgendwann nach Drehbüchern, in denen die Geschichte unweigerlich ins finale Siechtum driftet: Das liebt die Oscar-Academy.

Doch weil der Tod so furchtbar endgültig ist und so oft mit Schmerz und Leiden verbunden ist, will man ihn sich so gut es geht vom Leib halten – am besten durch Witze. Im vergangenen Jahr sah man etwa Bully Herbig als „Boanlkramer“ (Gebeinehändler) – so nennen die Bayern den Gevatter Tod – durch die „Geschichte vom Brandner Kaspar“ schreiten. In der Verfilmung eines Volksstücks lässt sich der Tod vom Büchsenmacher Brandner besoffen machen, beim Kartenspiel betrügen und 21 weitere Lebensjahre abluchsen: Der Tod, personifiziert als Depp – diese Taktik ist wie das Singen im dunklen Keller.

Düster genug wurde der Tod ja auch allzu oft gezeigt – ob nun als Person oder als Umstand. In Ingmar Bergmans Filmklassiker „Das siebte Siegel“ stolzierte er als Kapuzenmann mit Sense durch karge Landschaften – und in der seit Jahren ungebrochenen Welle an Brutalo-Horrorfilmen wie „ Hostel “ und „Saw“ scheint es, als gäbe es für deren Macher keine befriedigendere Aufgabe, als sich immer neue, immer extremere Formen des menschlichen Ablebens auszumalen.

Da ist man dankbar, wenn der Tod zwischendurch mal ganz elegisch und attraktiv daherkommt – wie in „Rendezvous mit Joe Black“: jenen Herrn spielte vor zehn Jahren Brad Pitt im schicken Anzug. Oder wenn er zumindest Anlass für tiefgründigere Überlegungen bietet: Die Stimmung von Trauer und Verlust, die sich derzeit auch durch Will Smiths „Sieben Leben“ zieht, war beispielsweise auch bestimmend für einen von Adam Sandlers besseren Filmen der letzten Jahre: „Die Liebe in mir“. Darin war er aus Gram über den Tod seiner Familie aus der Spur geraten. Frau und Kinder hatten in einem der Flugzeuge gesessen, die von Terroristen ins World Trade Center gelenkt worden waren.

<2>Damit hatte Sandler einen der bis dato gelungensten Mainstream-Filme über die Terror-Attentate von 9/11 gedreht und Bemerkenswertes verdeutlicht: Am 11. September 2001 hatte sich gezeigt, wie verwundbar die westliche Zivilisation ist. Das Tabu-Thema Tod war plötzlich da, mitten in der Öffentlichkeit, mitten in der legendärsten Stadt der Welt. Auch das Li-La-Laune-Entertainment musste sich fortan irgendwie damit befassen, und sei es auch nur an den Rändern des Hollywood-Spektrums. Selbst Melodramen wie „Sieben Leben“ sorgen in dessen Fahrwasser nun dafür, dass der Sensenmann nicht mehr nur als Märchenfigur durchs Kino (brandner-)kaspert.

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