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Industrieller Adolf Merckle ist tot

Ulm - Nach dem beschlossenen Verkauf des Pharmakonzerns ratiopharm ist auch eine Veräußerung anderer Merckle-Firmen noch nicht vom Tisch. So sei die Veräußerung der Anteile an HeidelbergCement Teil des gesamten Sanierungskonzeptes...

Dienstag, 06.01.2009, 16:01 Uhr

Stuttgart/ Blaubeuren - Der durch die Finanzkrise und Fehlspekulationen stark in Bedrängnis geratene Industrielle Adolf Merckle hat seinem Leben ein Ende gesetzt. Merckle galt mit einem geschätzten Vermögen von 6,9 Milliarden Euro als fünftreichster Mann Deutschlands.

Zum Tod des schwäbischen Industriellen erklärte die Familie: „Adolf Merckle hat für seine Familie und seine Firmen gelebt und gearbeitet. Die durch die Finanzkrise verursachte wirtschaftliche Notlage seiner Firmen und die damit verbundenen Unsicherheiten der letzten Wochen sowie die Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können, haben den leidenschaftlichen Familienunternehmer gebrochen, und er hat sein Leben beendet.“

Die Staatsanwaltschaft Ulm erklärte, Merckle sei am Montagabend bei einem Bahnunfall nahe seiner Heimatstadt Blaubeuren ums Leben gekommen. Es gebe „keine Hinweise auf Fremdverschulden“. Merckle hat sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa aus zuverlässiger Quelle vor einen Zug geworfen und einen Abschiedsbrief hinterlassen.

Merckles Firmenimperium- darunter der Pharmakonzern ratiopharm und der Zementhersteller Heidelberg-Cement – war durch die Finanzkrise und nach Verlusten bei Spekulationen mit VW-Aktien ins Wanken geraten. Zuletzt hatte es wochenlange zähe Verhandlungen mit den Gläubigerbanken über einen Überbrückungskredit in Höhe von 400 Millionen Euro gegeben. Im Gegenzug sollte Merckle aber die Kontrolle über wichtige Teile seines Unternehmensgeflechts abgeben. Die badenwürttembergische Landesregierung hatte eine Bürgschaft zugunsten Merckles abgelehnt.

Der Finanzierungsbedarf Merckles wurde in Finanzkreisen auf bis zu eine Milliarde Euro geschätzt. Weitere Quellen sprechen davon, dass auf Merckles Vermögensverwaltung VEM mindestens Schulden in Höhe von drei bis fünf Milliarden Euro lasten. Hintergrund der Krise bei VEM sind Kapitalerhöhungen vor allem bei Heidelberg-Cement, die teilweise mit Krediten finanziert wurden.

Als Sicherheiten für diese Kredite wurden Aktien hinterlegt. Durch die Finanzkrise ist deren Wert abgestürzt. Außerdem hatte sich der Milliardär mit VW-Aktien verzockt und einen dreistelligen Millionenbetrag verloren.

Im weit verzweigten Merckle-Imperium sind mehr als 100 000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Jahresumsatz liegt bei 30 Milliarden Euro. Rund 100 Unternehmen sollen zu Merckle gehören.

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