Karneval im Kreis Warendorf
Narrenzug hat den Pfarrer an Bord

Everswinkel. „Lass die Sonne in Dein Herz . . . “ Es hatte schon etwas Flehendes, als die fünf jungen Damen mit ihren leuchtend bunten Perücken Arm in Arm über die Freckenhorster Straße zogen, sich mit einem kleinen handlichen Getränk warm machten...

Sonntag, 22.02.2009, 23:02 Uhr

<1>Everswinkel. „Lass die Sonne in Dein Herz . . . “ Es hatte schon etwas Flehendes, als die fünf jungen Damen mit ihren leuchtend bunten Perücken Arm in Arm über die Freckenhorster Straße zogen, sich mit einem kleinen handlichen Getränk warm machten und dabei laut diesen Lied-Klassiker der Gruppe Wind sangen. Über ihnen der grau verhangene Himmel, der offensichtlich nur noch ein paar Tröpfen brauchte, um überzulaufen. Es ist nicht überliefert, welche Stoßgebete die Besatzungen der Karnevalswagen und die vielen schmucken Fußgruppen um 14.11 Uhr gen Himmel schickten, als der 34. Karnevalsumzug seinen Lauf nahm.

Doch Bangemachen galt nicht. Stattdessen zogen die insgesamt 50 Wagen- und Fußgruppen mit ausgelassener Fröhlichkeit rund ums Historische Viereck. Gute Laune gegen Grau – das wirkte. Tausende Zaungäste – darunter Massen an auswärtigen Besuchern, die förmlich das ganze Dorf zuparkten – hatten sich an der Zugstrecke versammelt, sangen, schunkelten und tranken mit. Bei den Jugendlichen schauten die Kontroll-Trupps der Polizei genauer hin. Bereits auf den ersten Zug-Metern auf der Freckenhorster Straße verfärbten sich die ersten Teststreifen und signalisierten, dass nicht alles nur Fanta war, wo Fanta draufstand. Je dunkler der Teststreifen, desto ernster wurde die Lage. Auskippen des so emsig gemixten Cocktails war das Mindeste. Zehn Beamte waren unterwegs, „hauptsächlich auf der Straße, vor dem Festzelt und vor der Festhalle“, wie Dorf-Polizist Martin Baggeroer erklärte.

<2>Was auf den Karnevalswagen in Sachen Drinks so los war, ließ sich nur erahnen, denn viele der Gefährte nebelten mit ihren Dampfmaschinen zeitweilige die ganze Straße ein. So eine Nebelbank hatte das Vitus-Dorf zuvor noch nie gesehen – möglicherweise eine ausgeklügelte Taktik der Wagenbesatzungen nach dem Motto, „tarnen, täuschen und trinken“. Die Palette ihrer Themen war breit gefächert und reichte von der Finanz- und Steuerkrise über den mageren Milchpreis für die Bauern bis hin zu Wild-West-Szenarien und Fernseh-Figuren wie Mickey Maus, Wickie, Maja, Madagaskar oder den Schlümpfen. Karriere gemacht hat das BOE – es ist ab sofort Barack Obamas Elitekapelle. Goldigster Wagen im wahrsten Sinne des Wortes war der der Hacketaler Spalter aus Alverskirchen, die glänzend klar machten, wo das aktuelle Golddorf zu finden ist.

<3>Ein echter Hingucker waren die Fußgruppen, die viel Liebe ins Detail ihrer Kostümierungen gesteckt hatten. So waren die Damen vom Kegelclub „Rollendes Glück“ mit ihrem Outfit („Alle reden vom Wetter, wir nicht. Mensch, ärgert Euch nicht“) topaktuell auf die äußeren Bedingen eingestellt, und auch die Möhnen mussten mit ihrem Badespaß wohl mit einem nassen Tag gerechnet haben. Erneut viel Kreativität bewies die Gruppe „Tackamarohr“, die mit festlich gedeckten Tischen unterwegs war und ein „Dinner for twelve“ abhielt. Da konnte einem schon das Wasser im Munde zusammenlaufen, so wie auch beim Kolping-Elferrat von 2004 mit Prinz Chris van Dijk. Wie viele große Holland-Käseräder da wohl zerschnitten und unters Narrenvolk verteilt wurden? Herzhaftes statt Süßes, lecker war’s. Da hätten die Damen vom MGV-/BSHV-Elferrat in ihrem Antje-Outfit gleich mitservieren können.

<4>Begleitet von den Klängen des Glückstädter Fanfarenzuges, des Albersloher und Müssinger Spielmannszuges sowie der Trommelgruppe Glückstadt Red Swons Kiebitzriehe zog der närrische Lindwurm ins „Karneval-O-Drome“ auf der Vitusstraße, wo EKG-Chef Andreas Rutsch jede Gruppe per Mikro begrüßte und vorstellte, und wo DJ Marcel Reichert die Beats wummern ließ, dass sich die Zone in einen Tanzpalast verwandelte. Und das Wetter?

<5>Jahrelang sonnte sich der Everswinkeler Karnevalsumzug im Sonnenlicht, jetzt ist er mit einem blauen Auge davon gekommen. Tatsächlich erst mit dem letzten Wagen auf der Vitusstraße öffneten sich um 16.30 Uhr die Himmelsschleusen. Das Geheimnis, warum es mit dem Wetter genau für die Zuglänge reichte, ist gelüftet: Pfarrer Heinrich Hagedorn war mit auf dem Wagen der Ehrengarde. Von seinem Draht nach oben konnten sich am Sonntag Tausende ein Bild machen . . .

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