Zukunft Münsterland
Der Büld-Schirm

Gronau - Johannes Büld hat Hummeln im Hintern. Läuft raus, um einen Kaffee zu holen. Kommt wieder rein, um ein Telefonat zu führen. Doch dann ist er bereit, Auskunft zu geben über Videro. Das Gronauer Unternehmen...

Montag, 30.03.2009, 14:40 Uhr

Gronau - Johannes Büld hat Hummeln im Hintern. Läuft raus, um einen Kaffee zu holen. Kommt wieder rein, um ein Telefonat zu führen. Doch dann ist er bereit, Auskunft zu geben über Videro. Das Gronauer Unternehmen, das auf seinen Internetseiten so viel sagt und doch kaum etwas preisgibt. „Kompliziert und komplex“, nickt Büld wie zur Erklärung, sei das, „und alles andere als einfach, in wenigen Worten rüberzubringen.“ Endlich aber versucht er´s doch. Und fängt am Ende an. Bei den Kunden.

Videro-Kunde, das sei jeder, „der Informationen auf einem Bildschirm anzeigen möchte“. Textilunternehmen, die Therme, das Hotel, der Discounter oder Baumarkt. Jüngst etwa habe ein schwedisches Möbelhaus ein Testsystem für seinen Standort Italien bestellt. Dort flimmern dann Preise, Warensortiment, kleine Filmchen, ja, gar das Wetter oder aktuelle Nachrichten über leuch­ten­den Hintergrund. Und wollen in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden.

Klingt simpel, könnte aber aufwendig sein. Gerade bei Videro-Großkunden wie dem Stuttgarter Porsche-Museum. Dort haben die Gronauer 130 Bildschirme installiert, im Mercedes-Museum am gleichen Ort gar 260. Was dort läuft, sind historische, Schulungs- und Erklärungsvideos. „Infos über Exponate“, sagt Büld und nimmt einen großen Schluck aus seiner Kaffeetasse. „Interaktiv und in acht Sprachen.“

Mercedes und Porsche , bedeutende Referenzen für das kleine Unternehmen, das in einer alten Villa residiert, 28 Mitarbeiter hat - darunter 17 Programmierer, aber auch Me diendesigner und Techniker. Büld selbst hat Maschinenbau und Wirtschaftsinformatik stu­diert, im Vertrieb gearbeitet, EDV-Systeme verkauft und sich vor 15 Jahren als In­ternetprovider selbstständig gemacht. Er weiß also, wovon er spricht. Für ihn war es „eine Herausforderung“, gemeinsam mit seinem Team eine Software zu entwickeln, die imstande ist, im Extremfall alle 5000 Bildschirme eines 1000-Filialbetriebs auf dem neuesten Stand zu halten. Einzeln, gleichzeitig und zentral gesteuert - und zwar vom Videro-Sitz in Gronau aus. Johannes Büld hat ein Faible für rhetorische Fragen. „Wer soll den Inhalt pflegen, vollständig, individuell, vollständig aktuell, je nach Abteilung? Und dann noch die Geräte warten? Wir machen das.“ Ob in der Firma über den PC oder unterwegs übers Handy: Das Videro-System hat scheinbar spielerisch alles im Griff. Unzählige Bildschirme in ganz Deutschland zaubert der Chef mit wenigen Klicks in die Übersicht. Ah, ja, da sind die beiden Engbers-Schirme in Bad Oeynhausen, die gerade technisch gewartet werden. „Off“, steht folgerichtig in Rot darüber. Alles in allem eine gigantische Datenmenge, gebändigt von einer Software, die Büld simpel nennt, so einfach in der Bedienung, dass sie jeder Kunde selbst beherrschen könnte. „Aber die wollen das gar nicht“, winkt der 49-Jährige ab. Der Deutsche Fußballbund zum Beispiel mit seinem Fan-Shop (Bildschirme hängen in Stadien und Kaufhäusern): „Die schicken uns die Preislisten rein und sagen: Tippt mal.“

Angefangen hat alles vor fünf Jahren mit dem Gronauer Rock- und Pop-Museum. Da schufen Büld und Co. ein „Computerinhaltsverwaltungsprogramm“, das die 46 Bildschirme steuerte und sogar das Soundsystem mit seinen 250 Lautsprechern. „Das Museum übers Internet ferngesteuert“, bringt es der Videro-Vorstand auf den Punkt - dafür bekamen die Gronauer den Sinus-Award der Frankfurter Messe.

Das Irre an der Software ist, sie schert sich nicht um Datenformate, schluckt pdf-Dateien ebenso wie Informationen via E-Mail oder schlicht aus dem Internet ausgeschnitten. Egal ob Video, Foto oder Schriftinformation. Das System rechnet alles so um und groß, dass es auf den installierten Bildschirmen gut lesbar ist, stellt alles dar, was Kunden an Daten produzieren. Und: holt die Infos dort ab, wo sie sind, aktualisiert sie selbstständig auf den Bildschirmen. „So greifen wir beispielsweise auf die Online-Shops von Kleidungsgeschäften zu“, so Büld. Oder lassen sich das aktuelle Wetter von einer großen münsterschen Zeitung geben. Das flimmert dann quasi zeitgleich im Edeka in Steinfurt-Borghorst über den Schirm - als Eyecatcher. Willkommen in der Zukunft.

„Zukunft?“, lacht Johannes Büld. Nein, die stellt er sich noch besser vor. So nämlich, dass irgendwann sämtliche 430 000 Outlets in Deutschland, ob Läden oder Kioske, mit Videro-Bildschirmen ausgestattet sind. Jeder von ihnen, so seine Vision, hat im Durchschnitt zehn davon. Macht nach Adam Riese 4,3 Millionen von den Dingern. Kein Problem? Nö, bloß eine Herausforderung. „Alles machbar“, sagt Büld und springt auf, um sich einen neuen Kaffee zu holen.

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