50er Jahre
Erhards Wunder-Modell

Mittwoch, 29.04.2009, 17:04 Uhr

Münster - Der Vater des Wirtschaftswunders rauchte teure Zigarren - und wurde so zum Symbol für den in den 50er Jahren rasant wachsenden Wohlstand der Bundesbürger. Ludwig Erhard , damaliger Wirtschaftsminister, setzte um, was kluge Ökonomen wie Alfred Müller-Ar­mack und Walter Eucken schon vor 1945 erdacht hatten: die soziale Marktwirtschaft.

Diese Wirtschaftsform setzte Erhard nach der Währungsreform 1948 gegen die Widerstände der Volksparteien SPD und CDU durch. Diese strebten zunächst eine stärkere Verstaatlichung weiter Teile der Industrie an. Doch Erhard schaffte es, ein Marktmodell in der Bundesrepublik zu etablieren, das die wirtschaftliche Freiheit durch einen staatlichen Rahmen nur so stark einengte, dass ein Höchstmaß an sozialer Gerechtigkeit möglich wurde.

Und das neue Wirtschaftsmodell schaffte Wachstum: Das Bruttosozialprodukt kletterte von 1952 bis 1960 um gewaltige 80 Prozent. Allein im Jahr 1955 wuchs die Wirtschaftsleistung um 11,5 Prozent. Nierentisch, Petticoat, Eisdielen und der erste Urlaub am Gardasee oder an der Adria wurden zu Zeichen der sich entfaltenden Wohlstandsgesellschaft. Ab Mitte der 50er Jahre machte dann auch ein neuer Begriff die Runde, der rückblickend die Ära kennzeichnet: „Wirtschaftswunder“.

Grundlage für den schnellen Aufstieg in Nachkriegsdeutschland war die Genügsamkeit der Deutschen. Es gab viele qualifizierte Arbeitskräfte, die bereit waren, für relativ niedrige Löhne und Gehälter hart zu arbeiten. Der Schweinebraten auf dem sonntäglichen Mittagstisch oder das neue Kleid von Quelle waren meist Grund genug, sich engagiert ins Zeug zu legen.

Folge des Turbo-Wachstums war auch ein schneller Rückgang der Arbeitslosigkeit. Während im Jahr 1952 noch zwei Millionen Menschen erwerbslos gemeldet waren, sank ihr Zahl bis zur Mitte des Jahrzehnts quasi auf Null. Es wurden sogar damit begonnen, erste Gastarbeiter anzuwerben.

Auch auf den Straßen machte sich das Wirtschaftswunder zunehmend bemerkbar. 1948 waren noch einsame Autos mit Holzvergaser auf leeren Autobahnen unterwegs. 1955 gab es in Ferienzeiten bereits erste Staus. Vor allem der VW Käfer wurde zum echten Volkswagen. Allein 1955 wuchs der Kfz-Bestand in der Bundesrepublik um 19 Prozent.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/373246?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F35537%2F596571%2F596619%2F
Nachrichten-Ticker