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Die Basis ist „sauber“

Montag, 06.04.2009, 19:04 Uhr

Münster - Die Manipulations-Vorwürfe erschüttern den Handball in seinen Grundfesten; nicht nur deutschland-, sondern vielmehr europaweit. Kein Tag vergeht, an dem nicht neue Details über angebliche Bestechungsversuche publik werden. Die Schiedsrichter stehen am Pranger, weil sie im Verdacht stehen, Spiele verschoben zu haben. Mitte März hatte der Deutsche Handball-Bund ( DHB ) das renommierte Gespann Frank Lemme und Bernd Ullrich vorläufig vom Spielbetrieb suspendiert. Im Gepäck der beiden waren nach dem Europacupfinale zwischen Medvedi Chekov und BM Valladolid im April 2006 50000 Dollar gefunden worden. Den beiden Magdeburgern wurde bislang keine Schuld nachgewiesen. Trotzdem drängt sich die Frage auf: Gibt es auch auf lokaler Ebene Hinweise auf Korruption?

Einer, der es wissen muss, ist Eduard Leufgen . Der Schiedsrichter vom SC Westfalia Kinderhaus ist nunmehr seit 1972 Kreisspielwart und ­Vereins-Schiedsrichterwart. Leufgen ist sich sicher, wenn er sagt: „Bestechung? Für den Handballkreis Münster, ja für unseren gesamten Handballverband Westfalen würde ich die Hand ins Feuer legen, dass es Derartiges nicht gibt.“

Für Udo Reichenbach sind die Manipulationsvorwürfe ein Thema, „das sich in erster auf Bundes- und internationaler Ebene“ abspiele. Der Münsteraner selbst blieb in seiner aktiven Schiedsrichter-Laufbahn unbehelligt. Und Reichenbach kann das wahrlich beurteilen. Er kennt sich aus, denn er hat in sämtlichen Handball-Ligen gepfiffen. Zuletzt hatte er gemeinsam mit dem Wettringer Udo Scheipers ein Schiedsrichter-Gespann gebildet, das bis hinauf zur Bundesliga in hohem Ansehen stand. „Es wird viel spekuliert, weil einfach die Sachinformationen fehlen“, sagt Reichenbach.

Gleichwohl geht aber auch er davon aus, dass die Basis „sauber“ ist. „Vor Jahren hat es einmal in Ostwestfalen einen Verdacht gegeben. Der hatte sich aber schnell in Luft aufgelöst. Da war nichts dran“, erinnert sich der ehemalige Unparteiische.

Die Frage, wo die Grenze zwischen Gastfreundschaft und Bestechung liegt, definiert der münsterische Schiedsrichter-Profi eindeutig. „Grundsätzlich ist es so, dass man als Unparteiischer vernünftig behandelt werden will“, sagt Reichenbach. Dazu gehört, dass ein Schiedsrichter „eine Flasche Mineralwasser und ein belegtes Brötchen in der Kabine vorfinden soll“, erläutert der 39-Jährige.

Auch die finanziellen Zuwendungen für das Leiten eines Spieles sind fest vorgegeben. „Zu den Fahrtkosten, die mit 30 Cent je Kilometer abgerechnet werden, kommt noch ein fester Spesensatz, der, bis hinauf zur Regionalliga, zwischen zehn und 30 Euro liegt“, so Reichenbach.

Eduard Leufgen räumt freilich ein, dass man sich nach dem Spiel ab und an gemeinsam eine Flasche Bier gönne. „Mehr aber nicht“, bekräftigt der 70-Jährige. „Denn“, so Leufgen weiter, dass eigentlich Schlimme an der augenblicklichen Situation ist, dass unser schöner Handballsport generell in die Kritik gerät. Und das können wir überhaupt nicht gebrauchen.“

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