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Stromkunden schauen in die Röhre

Montag, 26.12.2011, 03:42 Uhr

Münster - Schwere Zeiten für die Stromkunden der Stadtwerke und anderer Versorger: Denn die in den vergangenen Monaten infolge der Wirtschaftskrise stark eingebrochenen Preise an der Leipziger Strombörse EEX wirken sich vorerst bei den privaten Verbrauchern in Münster nicht positiv im Geldbeutel aus.

Auch im kommenden Jahr dürfen Stadtwerke-Kunden nicht mit billigerem Strom rechnen. Schließlich hat das städtische Versorgungsunternehmen sich im vergangenen Jahr bereits vor den Preiseinbrüchen auf dem Energiemarkt mit Strom für 2010 eingedeckt - zu deutlich höheren Preisen, als in den zurückliegenden Monaten an der Strombörse zu zahlen waren. Folge: Während die Preise auf breiter Front eingebrochen sind, müssen Privatkunden weiterhin die hohen Stromtarife zahlen.

„Um frühzeitig Sicherheit über die Strompreise zu haben“, verteidigt Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Henning Müller-Tengelmann diese offenbar branchentypische Einkaufspraxis, müsse der Strom eben so weit im Voraus eingekauft werden. „In Zeiten steigender Preise haben die Kunden davon immer profitiert“, stellt der Energiemanager klar. Insofern brauche sich jetzt kein Kunde zu beschweren.

Dennoch beschleicht viele Verbraucher beim Blick auf ihre Rechnung ein ungutes Gefühl - zumal der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft jüngst in dieser Woche vermeldete, dass die Haushalte derzeit sieben Prozent mehr für ihren Strom zahlen müssen als noch vor einem Jahr. Im gleichen Atemzug verweist der Verband darauf, dass staatliche Belastungen 40 Prozent an der Stromrechnung ausmachen. Die Stadtwerke haben beim Strom zuletzt zum 1. Januar 2009 um 6,3 Prozent erhöht.

Spielraum für eine Preissenkung bei den Privatkunden sieht Geschäftsführer Müller-Tengelmann frühestens im Jahr 2011. „Durch das derzeitige Niveau ergeben sich dann Chancen.“ Denn in der zurückliegenden Tiefpreisphase hat der städtische Versorger, der zusammen mit anderen Stadtwerken in der Energiehandelsgesellschaft West am Markt auftritt, bereits Strom für 2011 und 2012 gekauft. „Aber wir haben die Jahre noch nicht voll.“

Ungemach droht den Stadtwerken von anderer Seite: Vom Bundeskartellamt ist dem Unternehmen ein Fragebogen ins Haus geflattert. Die Behörde untersucht die Preisgestaltung der 60 größten deutschen Stromversorger. Hintergrund ist der Verdacht, dass die Versorger die Preise an der Strombörse und im Großhandel künstlich hoch halten. Was Müller-Tengelmann mit Blick auf die Strommengen des Stadtwerke-Kraftwerks für „absurd“ hält.

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