Politik Inland
Treffen in Münster: Mißfelder auf Schmusekurs zu den Senioren

Mittwoch, 01.04.2009, 00:04 Uhr

Münster - Jung gegen Alt? Philipp Mißfelder und Otto Wulff . Junge Union und Senioren-Union. Das riecht nach verbaler Provokation. Der JU-Chef und CDU-Präside Mißfelder ist vor kurzem noch durch eine aus seiner Sicht „unglücklich“, aber heftig verlaufenen Debatte nach einer Attacke gegen Hartz-IV-Empfänger wieder einmal ins Rampenlicht gerückt. Wulff, 76 Jahre alt, weiß die Interessen seiner Generation pointiert auf den Punkt zu bringen.

In Münster gaben sich Dienstag beide Politiker lammfromm, zumindest was die gemeinsame Linie in der Union angeht. Wulff gestattete seinem Gegenüber ausdrücklich „kritische Bemerkungen“.

„Wir müssen uns gefallen lassen, dass er Probleme auf den Punkt bringt“, so Wulff über Mißfelder bei der Podiumsdiskussion von Junger Union und Senioren-Union.

Dazu zählte Senioren-Chef Wulff auch Mißfelders umstrittene Bemerkung über „Hüftgelenke“. Das war 2003. Der JU-Chef damals: „Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen.“

Mißfelder selbst erklärte dazu Dienstag, dass er dafür „bitteres Lehrgeld“ bezahlt habe. Die Kritik über seine Bemerkungen fielen an ihm nicht ab wie an einer „Teflonschicht“. Aber er sei auch nicht derjenige, der sich anschließend hinstelle, um zu sagen, dass er es „nicht so gemeint“ habe. „Das ist nicht mein Politikstil“, erklärte der 29-Jährige.

Wulff und Mißfelder sind längst auf Schmusekurs . Keiner suche den Kontakt zur Senioren-Union so wie er, betonte Mißfelder. Zusammen mit Wulff mache er die Tour der Union der Generationen schon seit Jahren. Und nicht deshalb, weil Wahlkampf sei, ergänzte Mißfelder.

Dennoch schweißt gerade der bevorstehende Wahlmarathon (Europa-, Kommunal- und Bundestagswahl) die beiden Unionsleute aneinander. Wulff schimpfte über Oskar Lafontaine und warnte vor „linken Heilslehren“. Er legte ein offenes Bekenntnis für mehr Kinder in der Gesellschaft ab. „Kinder dürfen nicht als Last, sondern müssen als Geschenk betrachtet werden“, so Wulff.

Der Bundestagsabgeordnete Mißfelder, der sich selbst wirtschaftsliberal nennt, fand deftige Worte für die FDP. Einen „unverantwortlichen Kurs“ warf er den Liberalen vor. Aber auch den eigenen Reihen galt seine Schelte. „Wir brauchen keinen Wettbewerb, wer die Kanzlerin am besten ärgert“, so das CDU-Präsidiumsmitglied. Und im übrigen gelte dies auch für die CSU.

Einig sind sich JU- und Senioren-Vorsitzender auch über die Zeit nach der Bundestagswahl: „Ich habe die Nase voll von dem schwarz-roten Bündnis“, seufzte Mißfelder und sehnt sich das Ende der großen Koalition herbei.

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