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25 Euro für einen Facharztbesuch?

Düsseldorf/Münster - Müssen kranke Menschen bald 25 Euro für den Besuch beim Facharzt zahlen? Der Vorschlag des Chefs der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Leonhard Hansen, hat eine erhitzte Debatte über die Zukunft der Finanzierbarkeit des...

Mittwoch, 13.05.2009, 16:05 Uhr

Düsseldorf / Münster - Müssen Patienten bald 25 Euro für den Besuch beim Facharzt zahlen? Der Vorschlag des Chefs der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Leonhard Hansen , hat eine erhitzte Debatte ausgelöst. Vor dem Hintergrund steigender Arztbesuche und finanzieller Probleme im Gesundheitssystem hatte der Funktionär gefordert, die Praxisgebühr neu zu staffeln.

„Jeder Besuch beim Hausarzt soll zwischen fünf und zehn Euro kosten. Wer ohne Überweisung zum Facharzt geht, muss 25 Euro zahlen.“ Heute muss der Kassen-Patient zehn Euro pro Quartal zahlen.

Landes-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) lehnt diesen Vorschlag klar ab. „Ein derartige Erhöhung würde zu einer nicht hinnehmbaren finanziellen Belastung vor allem für chronisch Kranke führen.“ Auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen und die Ärztekammer in Münster weisen den Vorschlag zurück. „Wir unterstützen diese Pläne nicht“, sagte Ina Retkowitz, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen mit Sitz in Dortmund. Sollte es tatsächlich zu einer derartigen Staffelung der Gebühr kommen, drohe eine verhängnisvolle Drei-Klassen-Medizin. „Kranke Menschen, die es sich nicht leisten können, mal eben 25 Euro für einen Besuch beim Facharzt zu zahlen, müssten dann auf eine möglicherweise nötige medizinische Behandlung verzichten.“

Hintergrund der aktuellen Debatte ist eine Studie der Krankenkasse GEK. Diese hatte ergeben, dass 2007 erstmals wieder so viel Menschen zum Arzt gegangen sind wie vor der Einführung der Praxisgebühr im Jahr 2004.

Das angesehene Kieler Institut für Gesundheit und Systemforschung arbeitet zurzeit an einem umfassenden Finanzierungsmodell für das deutsche Gesundheitswesen. Nach diesen Plänen soll die zurzeit geltende Praxisgebühr abgeschafft werden. Stattdessen sollen Patienten, die zum vierten Mal im Quartal einen Arzt aufsuchen, eine Gebühr in Höhe von zehn Euro zahlen. Auch für Hausbesuche soll eine Gebühr in Höhe von fünf Euro fällig werden.

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