Schulabschluss
Von wegen Krise: Abitur lässt Erfolgsstimmung zu

Ahlen/Sendenhorst - „Ich hab wirklich mein Abi“, freute sich einer der Absolventen fast ungläubig und stieg freudestrahlend mit seinen Mitschülern von der Empore. Noch konnte er es kaum fassen, dass er tatsächlich sein Abiturzeugnis in den Händen...

Sonntag, 21.06.2009, 21:06 Uhr

Ahlen / Sendenhorst - „Ich hab wirklich mein Abi“, freute sich einer der Absolventen fast ungläubig und stieg freudestrahlend mit seinen Mitschülern von der Empore. Noch konnte er es kaum fassen, dass er tatsächlich sein Abiturzeugnis in den Händen hielt. Und vermutlich ging es den Meisten der 103 Absolventen des St.- Michael-Gymnasiums so. Für sie wurde der langersehnte Traum Wirklichkeit.

Wenn am Morgen auch nicht das gewünschte Wetter herrschte, so ging mit dem Gottesdienst in der St.-Elisabeth-Kirche, wie der stellvertretende Schulleiter Gerd Buller feststellte, sprichwörtlich die Sonne auf. Er begrüßte er die Gäste in der „provisorischen Aula“, der Turnhalle des St. Michaels. Durch Umbauarbeiten und die besonders große Abiturientenzahl konnte die Zeugnisübergabe in diesem Jahr nicht wie gewohnt in der Schulaula stattfinden. Das Provisorium tat der feierlichen Stimmung der über 400 Gäste jedoch keinen Abbruch. Buller warf, von seinem Unterrichtsfach geprägt, einen Blick zurück in verschiede Jahrzehnte: 1949 war das Jahr des Grundgesetzes, 1969 betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond, 1989 fiel die Mauer. Und 2009? Es ist zwar das Jahr der Wirtschaftskrise, aber eben auch der 103 Abiturienten. Bei ihnen sei keine Krise zu verspüren, denn jeder der Prüflinge habe das Abitur erfolgreich gemeistert. „Mit Ihnen kommt der Aufschwung“, sagte Buller.

Mahnende Worte richtete Schulleiterin Mechthild Frisch an ihre ehemaligen Schüler. Sie appellierte, Verantwortung dafür zu übernehmen, was man sagt. Im Zeitalter der Telekommunikation würden Worte immer unbedachter gebraucht, Reaktionen und Emotionen kaum mehr wahrgenommen. Besonders „Internet-Communities“ würden die Anonymität fördern. Frisch forderte die Abiturienten auf, ihre Worte durch die „Drei Siebe nach So­krates“ zu ziehen und sie somit auf Wahrheit, Güte und Notwendigkeit zu prüfen. Die Ausbildung am St.-Michael-Gymnasium habe viel Wert darauf gelegt, Wissen und Werte zu verankern und die Grundhaltung „Güte“ zu fördern. „Es ist aber notwendig, zu widersprechen, wenn Sie anderer Meinung sind.“ Nun sei die Zeit gekommen, den behüteten Raum zu verlassen und selbst entscheidende Weichenstellungen vorzunehmen. Jetzt heiße das rechte Wort zur rechten Zeit jedoch „Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Abitur“.

Als Vertreterin der Stadt überbrachte die stellvertretende Bürgermeisterin Elisabeth Werner Glückwünsche von Bürgermeister Benedikt Ruhmöller. Das Leben habe viele Facetten, so Werner, diesen solle man mit Vernunft, aber auch mit dem Herzen folgen. Auch der Schulleiter des Städtischen Gymnasiums, Siegfried Knepper, war gekommen, und freute sich, dass seine Schule bei 51 Absolventen durch Kooperationskurse mitgewirkt habe. Mit seinem Vergleich der Flugeigenschaften von Hummeln und dem Losfliegen der jetzigen Abiturienten, erheiterte er seine Zuhörer und erhielt viel Applaus. Claudia Tennstedt, Schulpflegschaftsvorsitzende, nahm das Abimotto „Jabimaika - 13 Jahre durchgezogen“ auf, ohne dabei auf das doppeldeutige Thema einzugehen. Das Motto legte sie eher als Bild des Fadens aus, das durch das Nadelöhr „gezogen“ wird. „Heute verlassen Sie das Nadelöhr Schule. Denn Sie sind durchgezogen.“ Sie hofft, dass sich die Absolventen stets der helfenden Hände erinnern und sich mit Zuversicht, Hoffnung und Mut den vielen weiteren Nadelöhren stellen werden.

Als Schülervetreter richtete Lukas Stellmach einige Worte an seine ehemaligen Mitschüler. Im Gegensatz zu manchem Olympiateilnehmer hätten alle das Ziel ohne das Benutzen von verbotenen Mitteln erreicht und anfangs belächelte „Teilnehmer“ hätten am Ende mit großen Überraschungen die Ziellinie erreicht. Es folgte die Ansprache des Jahrgangsbesten Leander Hartenauer. Einigen Gästen waren bekannte Passagen aus dem Vorjahr noch in den Ohren, als er davon berichtete, wie verschiedenste Typen neun Jahre lang zusammen im kleinen „Mikrokosmos“ Schule lebten und dort ein „zweites Zuhause“ fanden. Als Geschenk an die Schule überreichte er Mechthild Frisch einen Gutschein über ein Büroset und ein Bild für den Neubau. Höhepunkt der Veranstaltung war die Zeugnisübergabe. Dabei wurden neben Hartenauer auch Lena Wegner und Sabine Weber als Jahrgangsbeste ausgezeichnet.

Nachdem Kleider gewechselt und Haare frisiert waren, fanden sich die Abiturienten am Abend in der Stadthalle wieder, um gemeinsam zu feiern. Die Aufführungen der einzelnen Leistungskurse boten ein spannendes Programm und amüsierten die Gäste. Obwohl das Programm bis in den späten Abend ging, wurde es nicht langweilig, denn die einzelnen Kurse hatten sich viel Mühe gegeben. Bei „Schlag den Gerbracht“ traten die Schüler gegen ihren ehemaligen Biologielehrer Christian Gerbracht an, und zu einem der besten Beiträge gehörte der Film des Pädagogik-LKs von Margret Steffensmeier, der die erlernten Theorien mit Witz und Humor in Umfragen präsentierte. Michel Brinkschulte zeigte zwischen den Programmpunkten mit seiner erstaunlichen Stimme eine große Darbietung am Klavier. Bis in die späte Nacht wurde ausgelassen gefeiert und getanzt. Dazu hatten die 103 Abiturienten auch wirklich allen Grund.

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