MV Namensforscher
Der erste Bülter wohnte am Hügel

Freitag, 03.07.2009, 17:07 Uhr

Die Familie von Thomas Bülter aus Rheine stammt aus Dreierwalde , er weiß, dass der Name Bülter in der Region häufig ist. Der Nachname Bülter wird von etwa 750 Menschen getragen, die zu einem großen Teil in und um Rheine leben, auch im Raum Bremen ist der Name verbreitet. Diese Streuung des Familiennamens in weit auseinander liegenden Regionen zeigt, dass der Beiname Bülter in mindestens zwei voneinander unabhängigen Fällen vergeben wurde.

Die Bedeutung des Namens ist eindeutig zu bestimmen. Zugrunde liegt ein mittelniederdeutsches Wort, das in den Varianten der Bült/Bult und die Bülte/Bulte „Haufe, kleiner Erdhügel“ existierte. Auch im Friesischen und im Niederländischen gibt es diese Bezeichnung eines Hügels , im hochdeutschen Sprachgebiet ist das Wort nicht nachzuweisen.

Beim Familiennamen Bülter handelt es sich um einen Wohnstättennamen , der jeweils erste Namensträger einer Familie Bülter erhielt diesen Beinamen aufgrund seines Wohnsitzes an einem Bült „Hügel“. Der Name ist mit dem sehr häufigen namenbildenden Element -er von Bült abgeleitet, auf die gleiche Weise sind zahlreiche niederdeutsche Wohnstättennamen entstanden, so beispielsweise Büscher (wohnt am Busch „Wald“), Brinker (wohnt am Brink „Hügel“), Diecker (wohnt am Dieck „Deich“ oder „Teich“), Kühler (wohnt in oder an der Kuhle „Grube“) usw. Neben Bülter gibt es noch die gleich gebildeten, aber erheblich selteneren Namenvarianten Bulter und Bulther.

Wohnstättennamen wurden häufig auch auf andere Weise gebildet, indem der Wohnsitz mit einer dreigliedrigen Verbindung aus Präposition („in, an, auf, bei, hinter“ usw.) plus Artikel plus Örtlichkeitsname angegeben wurde. Einige solcher Namen zu Bült/Bult „Hügel“ gibt es heute noch, es sind ten Bulte (ten ist zusammengezogen aus to den „zum“), Tenbült, Tombült (tom geht über ton ebenfalls auf to den zurück), Tumbült (tum ist entstellt aus tom) und verhochdeutscht Zumbült und Zumbülte.

Die teils recht häufigen Namen Bült, Bülth, Büldt, Bülte, Bult, Buldt und Bulte gehören auch zu dieser niederdeutschen Hügelbezeichnung. Sie sind entweder aus einem dreigliedrigen Wohnstättennamen verkürzt worden, sie können aber auch als Herkunftsnamen entstanden sein. In einigen Fällen wurde der Name einer Örtlichkeit Bült(e)/Bult(e) auf eine anliegende Siedlung übertragen. In Westfalen und in Niedersachsen gibt es heute noch 16 Orte namens Bült, Bülte, Bülten, Bult, Bulte. Jemand, der aus einem dieser Orte stammte, konnte von den Mitbürgern am neuen Wohnort einen Beinamen erhalten, der mit dem Ortsnamen identisch war.

Eine weitere Möglichkeit zur Bildung von Herkunftsnamen bestand in der Anfügung von -mann an den Ortsnamen. So entstanden die Familiennamen Bültmann, Bültemann, Bultmann und Buldtmann.

Auch einige Berufsnamen enthalten das Hügelwort: Der von den Bult-/Bülte-/Bultemeier/-meyer bewirtschaftete Hof (Bülthoff, Bulthof) lag am Hügel, ebenso die vom Bültmöller/-müller betriebene Mühle, vermutlich eine Windmühle. Der Bultschnieder war der Schneider, der am Hügel wohnte.

Winfried Breidbach

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