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Tod des 18-jährigen Schöppingers: Sorge, Angst und Verärgerung

Montag, 24.08.2009, 20:08 Uhr

Schöppingen - Der Tod des 18-jährigen Schöppingers, der in der Nacht zum Samstag durch einen Messerstich starb (WN berichteten), erschüttert die Menschen in der Gemeinde. Dass der - inzwischen in Untersuchungshaft genommene - Tatverdächtige ein 28-jähriger Iraker ist, der als Asylbewerber in der Zentralen Unterbringungs-Einrichtung wohnte, lässt aber auch eine Welle der Emotionen durch den Ort schwappen. In Telefonaten, Mails und Kommentaren im Internet-Auftritt unserer Zeitung äußern sich Menschen der Gemeinde besorgt, verärgert und aufgewühlt über die Gefährdung, die nach ihrer Meinung von der Asylbewerber-Unterkunft ausgeht.

Von Belästigungen, Tätlichkeiten und Saufgelagen auf Spielplätzen ist dabei die Rede. Kritisiert wird zudem die fehlende Polizeipräsenz und eine ebenfalls fehlende Waffenkontrolle innerhalb der Einrichtung. Eine Schöppinger Anruferin: „Wir Frauen können ab 23 Uhr abends nicht mehr durch den Ort gehen.“

Mit einer gemeinsamen Presseerklärung haben die Gemeinde Schöppingen und alle im Rat vertretenen Parteien am Montag auf die tödliche Messerattacke reagiert (siehe „Zum Thema“). Bürgermeister Josef Niehoff , seine Stellvertreter und die Ratsparteien kündigen darin an, dass „sich der Rat der Gemeinde Schöppingen in einer Sondersitzung mit dem gesamten Sachverhalt auseinandersetzen und mit den zuständigen Dienststellen beraten“ wird. Einen Termin für diese Sitzung konnte Niehoff am Montag noch nicht nennen, weil es den zunächst auch mit allen Beteiligten abzustimmen gelte. Niehoff drängt aber nach eigenen Angaben auf einen „schnellstmöglichen Termin“.

Mit an den Beratungstisch holen will er zu diesem nicht öffentlichen Treffen Vertreter des NRW-Innenministeriums (das die Einrichtung betreibt, die in der Zuständigkeit der Bezirksregierung Arnsberg liegt), Vertreter der Bezirksregierung Münster sowie Ermittler von Staatsanwaltschaft und Polizei.

Die Polizei habe inzwischen erste Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit im Ort vollzogen, heißt es in der Pressemitteilung der Kommune weiter. Auf Anfrage teilte dazu Dieter Hoffmann, stellvertretender Pressesprecher der Kreispolizei in Borken, mit, dass Polizeibeamte derzeit in Schöppingen verstärkt Streife fahren. Für einen besonderen Schutz der Asylbewerber-Unterkunft sieht die Polizei nach Aussagen des Sprechers derzeit keinen Anlass - dies habe eine Gefährdungsanalyse ergeben, die von der Polizei erstellt worden sei. Aber: WN-Informationen ergaben, dass die Unterbringungs-Einrichtung in diesen Tagen abends um 22 Uhr geschlossen werden soll, eine Maßnahme, die auch am Wochenende bereits praktiziert worden sein soll.

Die Arbeit der Mordkommission gehe derweil weiter, wie Staatsanwalt Martin Botzenhardt am Montagnachmittag auf Anfrage der WN bestätigte. Botzenhardt bestätigte auch Informationen unserer Zeitung, wonach der 18-Jährige die Party vor der tödlichen Auseinandersetzung nicht allein verlassen haben soll: „Er verließ die Party in Begleitung eines anderen Gastes“, so der Staatsanwalt. Aber: Dieser andere Gast, auf dessen Identität Botzenhardt nicht weiter einging, habe nur den Beginn der Auseinandersetzung zwischen dem Opfer und dem Tatverdächtigen mitbekommen, sei dann aber zu der Party zurückgekehrt.

Wie Botzenhardt weiter bestätigte, fehlt von der Tatwaffe immer noch jede Spur. Zwar wurde am Montagmorgen von Fußgängern auf der Bergstraße ein Messer gefunden und an die Polizei übergeben. Die Ermittler gehen aber nach ersten Einschätzungen davon aus, dass es sich nicht um die Tatwaffe handelt. Ob es sich um das Messer handelt, mit dem der 18-Jährige tödlich verletzt wurde, wird in Münster zurzeit kriminaltechnisch untersucht.

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