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Polizist soll Familienvater tätlich angegriffen haben

Samstag, 15.08.2009, 06:08 Uhr

Münster - Ein gemütlicher Einkaufsvormittag sollte es werden, sagt Jürgen Dahl . „Doch dann endete alles in einem Fiasko“ - für das seiner Ansicht nach die münsterische Polizei verantwortlich ist. Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung lauten seine Vorwürfe gegen einen Beamten; entsprechende Strafanzeigen werden in Kürze folgen, stellt Dahl klar.

Drei Mal soll der Beamte den 42-jährigen Familienvater, der beim Kommunalen Arbeitgeberverband NRW in Wuppertal arbeitet, mit dem Arm vor den Kehlkopf geschlagen und ihm zudem den Arm verdreht haben. „Ich habe das Vertrauen in die Staatsgewalt verloren“, sagt Dahl. Die wiederum will sich zu den Vorwürfen nicht äußern - „wegen des schwebenden Verfahrens gegen einen Beamten der eigenen Behörde“, so ein Polizeisprecher.

Montagmorgen, kurz vor 12 Uhr. Dahl steuert die Karstadt-Tiefgarage an. „Besetzt“, steht über der Einfahrt. Dahls Frau Dorothee steigt schon mal mit Sohn Benjamin aus, um zu Karstadt zu gehen. In der Handtasche hat sie auch seinen Führerschein und seinen Ausweis. Kurz darauf will ein Polizist Dahl umleiten, „damit sich der Rückstau auflösen kann“, so ein Polizeisprecher. Dahl ignoriert die Anweisung: „Ich muss in die Tiefgarage, meine Frau wartet bei Karstadt“, habe er zum Polizisten gesagt. Als der ihn erneut darauf hinweist, dass das nicht gehe, gibt Dahl nach eigenen Angaben Gas und fährt einfach die Einfahrt herunter.

Dahl berichtet, dass der Polizist hinter ihm hergelaufen sei und ihn aufgefordert habe, rückwärts wieder hochzufahren und dann die Garage zu verlassen. „Darauf habe ich ihm geantwortet, dass dies eine widerrechtliche Anweisung ist, da wir uns auf einem Privatgrundstück befinden.“ Der Polizist habe zudem seine Ausweispapiere verlangt - die sich allerdings bei Dahls Frau befanden.

„Plötzlich riss er die Tür auf, schlug mir drei Mal gegen den Kehlkopf, zerrte mich aus dem Wagen und legte Handschellen an.“ Hilfeschreie und seinen Hinweis, einen Bandscheibenvorfall im Nackenbereich zu haben, hätten den Beamten nicht beeindruckt. Danach sei er zur Wache gebracht worden, wo er sich nackt habe ausziehen müssen. Erst zwei Stunden später habe ihn die Polizei nach Hause gelassen, nachdem seine Frau die Ausweisdokumente vorbeigebracht hatte.

„Der Polizist ist mit äußerster Brutalität vorgegangen“, sagt Dahl, der seit dem Vorfall „weder schlafen noch richtig essen“ kann. „Ich habe bereits drei Kilo abgenommen.“ Sein Arzt habe bei ihm mehrere Blutergüsse festgestellt und ihn für zunächst eine Woche krankgeschrieben. Zudem sei sein Pkw beschädigt worden.

Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Münster, erklärte, dass eine Anzeige der Beamten gegen Dahl vorliege, weil er sich polizeilichen Weisungen widersetzt habe, indem er „verkehrsleitende Maßnahmen nicht beachtete“. Zu Details, was sich in der Tiefgarage ereignete, konnte er sich nicht äußern. Strafanzeigen von Dahl lagen ihm noch nicht vor.

Laut Polizei-Sprecher Klaus Laackman leitete der Beamte den Verkehr vor der Tiefgarage um, „da der Rückstau unter anderem die Rettungswagenzufahrt zum Krankenhaus blockierte“. Daraus habe sich dann eine Situation „entwickelt“, zu der er sich nicht weiter äußern wolle.

Derweil bestätigt ein Augenzeuge die Version von Dahl. „Der Polizist riss die Tür so auf, dass sie vor die Wand knallte“, berichtet Robert Gloor, der auf der Stubengassen-Baustelle arbeitet. „Dann hat er sofort zugeschlagen, obwohl Dahl überhaupt keinen Widerstand leistete und mehrmals ,Hilfe, Hilfe geschrien hatte.“ Nach dem Vorfall, sagt Gloor, sei der Tag für ihn gelaufen gewesen. „Ich war richtig schockiert. So etwas kann und darf doch nicht passieren. Die Polizei ist doch eigentlich der Freund und Helfer.“

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