Zukunft Münsterland
Feine Klinker als Lebenswerk

Sonntag, 20.09.2009, 17:09 Uhr

Nottuln - Sie ist auf der A 43 Fahrrad gefahren. Gut, das ist schon eine ganze Weile her. Obwohl: Ihr Vater, Norbert Hagemeister , würde sicherlich sagen: „Es war gestern.“

Nun, „gestern“ - das ist in diesem Fall knapp 30 Jahre her. Die A 43 war noch nicht freigegeben und ein Paradies für schnelle, unabhängige, junge Radfahrerinen. Die Rennfahrerin, von der hier die Rede ist, ist heute 35 Jahre alt, promovierte Betriebswirtin und seit diesem Jahr neben ihrem Vater und ihrem Cousin Christian Hagemeister Geschäftsführerin der Hagemeister GmbH & Co. KG: Dr. Christina Hagemeister .

Über 100 Jahre ist das Familienunternehmen in Nottuln, kaum zwei Kilometer von der A 43 entfernt, alt. „Sagen wir mal so, es gab nichts, was dagegen gesprochen hätte“, sagt Christina Hagemeister auf die Frage, warum sie Betriebswirtschaft in Münster studiert und dann in das Unternehmen ihrer Familie eingestiegen ist. „Das Lebenswerk seiner Vorfahren, seines eigenen Vaters fortzuführen, das ist eine große Aufgabe.“ Sehr ruhig sagt sie diesen Satz. Ernst sagt sie ihn. Es sei ehrlicherweise auch eine Bürde. Eine kurze Pause folgt und dann dieser Satz: „Es ist aber auch eine ganz tolle Sache.“ Lachend sagt Christina Hagemeister diese Worte, vielleicht sogar glücklich.

Hagemeister produziert an seinem einzigen Standort Nottuln jährlich zirka 100 Millionen Klinker . Anders ausgedrückt: Die Produktionskapazität der Öfen reicht aus, um in jedem Jahr eine Stadt mit 10 000 Einfamilienhäusern zu bauen. 120 Mitarbeiter sind in der Produktion, 35 in der Verwaltung beschäftigt. In der Hauptsaison, das ist in der Baubranche bekanntlich das Frühjahr, werden zusätzlich Leiharbeiter eingestellt. Das war auch in diesem Frühjahr der Fall - trotz Wirtschafts- und Finanzkrise.

„Wir sind gut aufgestellt“, sagt die 35-Jährige. „Unser Umsatz ist nicht eingebrochen.“ Hätte das Unternehmen allerdings zu 100 Prozent auf den Einfamilien-Hausbau gesetzt, „dann wären wir jetzt in Schwierigkeiten“. Doch Hagemeister hat schon lange einen Namen im Objektbau. Soll heißen: Das Unternehmen liefert Klinker für Schulen, für Hochhäuser, für ganze Wohnprojekte. Das Stadthaus II in Münsters Innenstadt ist mit Klinkern made in Nottuln gebaut worden oder etwa ein Skyscraper von 152 Metern Höhe in Rotterdam.

Hagemeister beliefert Kunden in ganz Deutschland, in den Niederlanden, in den Beneluxländern, auch im osteuropäischen Raum. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben klarer Marktführer in Nordrhein-Westfalen. In Sachen Logistik fährt ein Nachbar für Hagemeister: Giesker und Laakmann, nur ein Steinwurf vom Klinkerwerk entfernt.

Seit 13 Jahre habe es der Bausektor mit einem rückläufigen Markt zu tun, sagt die Unternehmerin. Die vergangenen zwölf Monate seien da gar nicht negativ ausgeschlagen. Positiv herausragen würden aber die Jahre 2006/2007. Kurze Zeit später lief die Eigenheimzulage aus. Christina Hagemeister hält es für unerlässlich, dass die Politiker wieder neue Förderprogramme für private Bauherrn auflegen.

Sie spricht, das eigene Unternehmen im Blick, von einer „soliden finanziellen Basis“, davon, dass Hagemeister „zum Glück nicht auf Kredite angewiesen ist“. Gleichwohl ist sie sicher, dass sie Geld bekommen würde, wenn sie es denn bräuchte. Aber das tut sie nicht. „Es ist immer besser, nicht von einem Kredit abhängig zu sein“, sagt sie.

Die 35-Jährige spricht von flachen Hierarchien, von Mitarbeiterführung auf Augenhöhe - „wenn natürlich auch immer einer den Kopf hinhalten muss“. Viel habe sie von ihrem Vater abgeguckt. „Mein Vater hat das Unternehmen mit großer Umsicht geführt. Er hat den Mitarbeitern das Gefühl gegeben, hinter ihnen zu stehen.“

Christina Hagemeister ist überzeugt, dass familiengeführte Unternehmen in Krisen besonnener reagieren als Kapitalgesellschaften, sie agierten „mit mehr Bauchgefühl“. Es gehe ihnen nicht nur um nackte Zahlen, persönliche Bindungen hätten einen Wert.

Die aktuelle Krise meistert Hagemeister. Doch die Aufträge, sagt die Geschäftsführerin, sie kämen immer kurzfristiger. Hagemeister: „Es war noch nie so unsicher, Prognosen zu erstellen, wie heute.“

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