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Fahrradhauptstadt: Greifswald kontra Münster

Samstag, 17.10.2009, 08:10 Uhr

Münster - Offiziell ist Münster nie zur „Fahrradhauptstadt“ gekürt worden - es hat sich einfach so genannt. Niemand widersprach, und so war alles gut. Bis gestern. „ Greifswald ist Fahrradhauptstadt Deutschlands“, behauptet die dortige Verwaltung in der Einladung zu einer Pressekonferenz, in der am Dienstag eine für alle Münsteraner bittere Nachricht auf den Tisch kommen soll: An der Ostsee wird viel mehr Rad gefahren als in der westfälischen Leezen-Metropole.

Details will eine Stadt-Sprecherin noch nicht verraten, nur so viel: „In Greifswald nutzen 44 Prozent der Bürger täglich ihr Rad, in Münster nur 38 Prozent.“ Das habe eine repräsentative Stichprobe der dortigen Universität an einem einzigen Tag ergeben.

Deren Kompetenzen will Verkehrsplaner Stefan Böhme nicht anzweifeln. dennoch lässt er sich zu der eindeutigen Aussage hinreißen, dass Münster „zumindest gefühlt Fahrradhauptstadt bleiben wird“. An Argumenten fehlt es ihm nicht. In Münster sei nicht einfach die Radnutzung an einem Tag ermittelt worden, „hier gibt es ein komplexes, schlüssiges System, das auf den Fahrradverkehr ausgerichtet ist“. Und zwar nicht nur in einem kleinen Bereich - „sondern durchgängig“.

Ein Vergleich lässt Greifswald blass aussehen. Gerade mal 14 Kilometer eigenständige Radwege hat die vorpommersche Stadt, in Münster sind es 293. Außerdem gibt es hier 22 Fahrradstraßen, in Greifswald nur eine. „Experten aus aller Welt, die bislang nach Münster kamen, werden jetzt nicht plötzlich nach Greifswald fahren, um sich dort anzuschauen, wie eine Fahrradstraße funktioniert“, sagt Böhme.

Klar, dass es in der 54 000-Einwohner-Stadt an der Ostsee auch noch viel weniger Drahtesel gibt als in Münster. So wenige, dass Böhme keinen einzigen entdeckte, als er sich gestern Morgen im Internet durch Greifswald-Webcams klickte. Fahrradhauptstadt Greifswald? Daran glaubt man wohl nur dort . . .

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