So berichteten wir am 07. Oktober 1989
„Gorbi, hilf uns“

Donnerstag, 08.10.2009, 14:10 Uhr

Bei den bisher größten Massenprotesten seit dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 sind DDR-Sicherheitskräfte zum 40. Jahrestag der Staatsgründung mit äußerster Härte gegen Tausende von Bürgern vorgegangen.

Volkspolizei, Staatssicherheit und Militär lösten am Wochenende Demonstrationen in Ost-Berlin , Leipzig, Dresden , Plauen, Jena und Potsdam gewaltsam auf. Nach Augenzeugenberichten gab es zahlreiche Verletzte und weit über 1000 Festnahmen. In Dresden war die Polizei zum Teil mit Maschinenpistolen ausgerüstet. In Ost-Berlin waren die Gefängnisse nach Angaben von Augenzeugen in der Nacht zum Sonntag überfüllt.

Die DDR-Führung verurteilte die Demonstrationen als ,Störungen von ,Randalierern. Diese hätten versucht, die Volksfeste zum 40. Jahrestag der Staatsgründung zu stören. Bei den Demonstrationen riefen trotz scharfer Sicherheitsvorkehrungen rund 5000 Menschen unter anderem: ,Gorbi, hilf uns!. Der Staatssicherheitsdienst ging dort auch brutal gegen westliche Journalisten vor. Mehrere wurden verprügelt, ins Gesicht getreten, zum Teil festgenommen und nach West-Berlin abgeschoben.

Die Ostberliner Demonstrationen waren erst gestern früh völlig aufgelöst. Sie hatten auf dem Alexanderplatz begonnen. Die Demons-tranten wollten ursprünglich zum ,Palast der Republik ziehen, wo der Empfang der Staats- und Parteiführung zum Abschluß der 40-Jahr-Feier der DDR stattfand. Von Passanten angesprochene Volkspolizisten sagten, die Staatssicherheit trage die Verantwortung für die zum Teil brutalen Einsätze.

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