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Ein Taucher füttert die Fische

Freitag, 30.10.2009, 08:10 Uhr

Wenn Timo Kaminski im Taucheranzug ins Aquarium klettert, nehmen die Fische erst mal Reißaus. Doch dann erkennen sie das Luftblasen speiende Ungetüm. Es gibt Futter. Gespannt schwimmen die Fische um den Meeresbiologen herum. „Die wissen genau, es gibt was zu fressen“, tönt Timo Kaminskis Stimme scheppernd aus einem Lautsprecher. Der 32-Jährige kann sich unter Wasser über ein Mikrofon mit Besuchern draußen unterhalten.

Die Besucher sitzen vor dem riesigen Becken im Multimar-Wattforum in Tönning in Schleswig-Holstein . Die Scheibe zwischen ihnen und den Fischen ist so dick wie etwa vier Männerfäuste hintereinander - und fast so schwer wie fünf Traktoren. Sie muss stabil sein, damit die 250 000 Liter Wasser im Aquarium sie nicht eindrücken.

Im Multimar-Wattforum hat man das Gefühl, fast selbst in der Meereswelt zu sein. Wer an der Scheibe nach oben guckt, sieht zum Beispiel die hellen Bäuche von Fischen. Rund 60 schwimmen im Becken umher. Der kleinste ist ein Seelachs und etwa so lang wie ein Unterarm. Der längste ist rund dreimal so groß. Es ist ein Stör und er hat einen Namen: Friedolin.

Zweimal in der Woche steigen Taucher mit einer extra Portion Futter ins Wasser hinab. Damit die Fische, die am Boden leben, nicht zu kurz kommen. Eine große Portion Heringe und eine Portion Garnelen verteilen sie dann an Störe, Rochen und Katzen­haie.

Das nennen die Experten Handfütterung. Wenn das Futter nur von oben ins Becken geworfen wird, fressen die Dorsche und Seelachse vorher fast alles weg.

Handfütterung - das klingt putzig. Aber Timo Kaminski hat Respekt vor den manchmal messerscharfen Zähnen der hungrigen Fische. Er reicht ihnen die Futterbrocken lieber mit einer Art Würstchenzange.

Besonders frech - oder hungrig? - sind die Plattfische. Es scheint ihnen nichts auszumachen, wenn sie von den Flossen des Tauchers getroffen werden.

Zum Schluss kommt der Hummer dran. Er ist als einziger im Becken nicht gierig. Der Hummer ist nachts munter und verbringt den Tag in einer Felshöhle. Timo Kaminski muss ihn erst aus seinem Loch herauslocken, bevor er ihn füttern kann.

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