MS-Gesellschaft
„Eine Welt bricht zusammen“

Montag, 30.11.2009, 15:11 Uhr

Münster - Die Diagnose Multiple Sklerose trifft viele Betroffene wie ein Hammerschlag . „Einige landen bei uns heulend am Telefon, denn für die meisten bricht eine Welt zusammen“, sagt Tina Macharski . Die junge Psychologin, die vor einiger Zeit selbst an MS erkrankt ist, hadert nicht mit ihrem Schicksal, sondern hilft anderen, damit umzugehen. Einmal im Monat leitet sie einen der zwölf Betroffenen-Gesprächskreise, die die Multiple-Sklerose-Gesellschaft in Münster auf den Weg gebracht hat.

An diesem Abend sitzen in der Geschäftsstelle der MS-Gesellschaft in der Maximilianstraße mitten im Kreuzviertel zehn junge Menschen um den Tisch. Alle sind zwischen 20 und Mitte 30 und noch berufstätig.

Damit das möglichst lange so bleiben kann, drehen sich die Gespräche bei den Treffen immer wieder um Erfahrungen mit neuen Medikamenten und Spritzentherapien. „Die sollen die Krankheitsschübe abmildern und die Symptome erträglicher machen“, erklärt Antonia Müller. Die 23-Jährige erhielt ihre Diagnose Anfang 2007. „Erst hab´ ich gedacht, eine Selbsthilfegruppe brauche ich nicht, ich habe ja Freunde.“ Aber dann wurde ihr schnell klar, „dass es wichtig ist, Leute zu treffen, mit denen man über die Krankheit sprechen kann“.

Als sie an diesem Abend davon erzählt, dass sie es geschafft hat, mit Rollstuhl, Spritzen und Medikamenten, die dauernd gekühlt werden müssen, in den Urlaub zu fliegen, macht sie anderen in der Runde Mut.

„Im Alltag hilft es schon viel, wenn man auf verständnisvolle Kollegen bauen kann“, wirft Matthias Gelbhardt ein. Der 28-Jährige muss mit zwischenzeitlichen Seh- und Koordinationsstörungen fertig werden.

All das kennt Ursula Boomgaarden , die die meisten der 500 bis 600 jährlichen Beratungsgespräche bei der MS-Gesellschaft in Münster und Umgebung leistet, nur zu gut. Beim ersten Kontakt wird sie immer wieder mit den gleichen Fragen bombardiert: „Wie kann ich meinen Beruf weiter ausüben? Wann sitze ich im Rollstuhl? Was soll ich spritzen? Und wem sage ich es wie?“ Auch wenn es später darum geht, eine Erwerbsminderungsrente zu beantragen, steht Ursula Boomgaarden mit ihrem Erfahrungsschatz zur Seite. „Wir helfen den Betroffenen durch Information keine Fehler zu machen“, bringt sie die umfangreichen Leistungen der Multiple-Sklerose-Gesellschaft auf den Punkt. Um Beratungen, Vorträge und individuelle Hilfen anbieten zu können, ist die Gesellschaft aber dringend auf Spenden angewiesen.

In den Gesprächskreisen geht es jedoch nicht nur um Wissensaustausch etwa über Behandlungsmethoden oder die Beantragung von Schwerbehindertenausweisen. Die Treffen sind für viele auch Seelenbalsam. „Oft denke ich: Das ist ja unglaublich, der hat ja genau das, was ich denke und fühle“, sagt eine 30-Jährige, die vor drei Jahren mit der Diagnose MS konfrontiert wurde. „Hier kann ich Dinge sachlich ansprechen, die bei anderen Panik auslösen.“

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