Archiv
Besetzung des Uni-Hörsaals geht auch am Hochschultag weiter

Münster - Die Studenten, die gestern Mittag in den Audimax strömten, wollten nicht zur Vorlesung. Seither halten sie den Hörsaal im Gebäude an der Johannisstraße besetzt. Die Protestwelle der Studierenden gegen schlechte Studienbedingungen und generell die Ökonomisierung der Bildung schwappt aus Österreich nach Deutschland. So sieht es jedenfalls AStA-Referent Jörg Rostek...

Donnerstag, 05.11.2009, 08:11 Uhr

Münster - Die Besetzer des Audimax haben sich am heutigen Hochschultag mit der Uni arrangiert. So konnte der Senatsvorsitzende der Juristen, Prof. Dr. Janbernd Oebbecke am Morgen in einer Informationsveranstaltung Schüler über das Jurastudium informieren. Zuvor hatten die studentischen Besetzer die Möglichkeit, über ihr Anliegen zu informieren. Deren Sprecher Jörg Rostek: "Es ging auch darum, zu sagen, warum in einem Fach wie Jura so viele Studierende durchfallen."

Insgesamt beklagen die Besetzer, die sich an einer Länder-übergreifenden Protestaktion beteiligen, eine Verschlechterung der Studienbedingungen an den Unis. Die Studierenden, die für freie Bildung und Solidarität kämpfen, haben mittlerweile mehrere Arbeitskreise gebildet. Darunter sind Arbeitsgruppen, die sich mit mit der Mobilisierung weiterer SchülerInnen und Studierende beschäftigen. Andere machen Pressearbeit.

Zwar hatte Rektorin Nelles damit gedroht, den Hörsaal um sechs Uhr morgens zu räumen, doch offenbar hatten rund 100 Besetzer die Nacht ungestört im Audimax verbringen können. Am Morgen, so hieß es, hätten sie zusammen mit den Reinigungskräften der Uni, den Hörsaal aufgeräumt, wenig später kamen dann die ersten Schüler.

Das Rektorat der Universität will im Laufe des heutigen Nachmittags über das weitere Vorgehen beraten, teilte Uni-Pressesprecher Norbert Robers auf Anfrage mit. Ob heute mit einer polizeilichen Räumung des Audimax zu rechnen sei, ließ Robers offen. Man stehe mit der Polizei in Kontakt. Die verschafft sich derzeit einen Überblick über das Geschehen in der Johannisstraße, so Polizei-Sprecher Klaus Laackman. Im Augenblick sehe man allerdings keine Notwendigkeit, tätig zu werden.

Die Protestwelle der Studierenden gegen schlechte Studienbedingungen und generell gegen die Ökonomisierung der Bildung schwappt aus Österreich nach Deutschland. So sieht es jedenfalls ­AStA-Referent Jörg Rostek, der bereits die Aktionen zum Bildungsstreik im Sommer mitorganisiert hatte. Die Menge der zunächst etwa 300 Besetzer war am Mittwoch-Nachmittag zu einem etwa 50 Köpfe zählenden Häufchen zusammen.

Am Plan, das Audimax auch über Nacht besetzt zu halten, hielten sie fest. Mitglieder des Rektorats leisteten den Demonstranten abwechselnd bis spät in den Abend hinein Gesellschaft - „um dem Wunsch nach einem Austausch Rechnung zu tragen“, so Rektorin Ursula Nelles. Sie diskutierte gegen Mittag mit den Studierenden, nicht immer zu deren Zufriedenheit. .

Die Besetzungsaktion ist Teil einer Aktionswoche europäischer Studenten. In Deutschland wurden am Mittwoch auch in Heidelberg und Potsdam Hörsäle besetzt. Sollten die Studierenden, wie beabsichtigt, im Audimax in dieser Woche einen alternativen Vorlesungsbetrieb veranstalten, treffen sie gleich heute auf ein großes Publikum.

Die WWU erwartet beim Hochschultag für Schüler einen Ansturm von 20 000 Studieninteressenten. Viele der Veranstaltungen sollen im Audimax stattfinden.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/508081?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F35537%2F596571%2F596573%2F
Ortsverbände signalisieren Unterstützung
Neuer FDP-Ratsfraktionschef: Jörg Berens
Nachrichten-Ticker