MV Namensforscher
Der Brockmann wohnte am Bruch

Freitag, 04.12.2009, 15:12 Uhr

In der Familie von Martina Brockmann aus Rheine heißt es, dass die heutige Namensform durch einen Schreibfehler aus Brookmann umgestaltet wurde. Die Bedeutung des Namens sei „Mann aus dem Brook “. Es ist gut möglich, dass der Familienname früher Brookmann lautete, bei der Umformung zu Brockmann kann man aber eher an eine bewusste Angleichung an diesen sehr häufigen Namen als an ein Schreiberversehen denken. Der Nachname Brockmann wird von etwa 12500 Personen getragen, die weit überwiegend in der nördlichen Hälfte Deutschlands leben, mit besonderen Konzentrationen des Namens in Westfalen und in Niedersachsen. Brookmann dagegen ist mit etwa 130 Namensträgern ein eher seltener Name, der im Landkreis Grafschaft Bentheim ein starkes Zentrum hat.

Die Bedeutungen von Brockmann und Brookmann sind identisch, bei beiden Namen wird es sich in den meisten Fällen um Wohnstättennamen handeln, mit denen der erste Namensträger aufgrund seines Wohnsitzes am oder im Brock/Brook „Bruch“ benannt wurde. Zugrunde liegt das mittelniederdeutsche Wort brôk „Bruch, Sumpf-, Moorland; niedriges, nasses Uferland“. Aus brôk haben sich im Laufe der Jahrhunderte in den Mundarten mehrere Schrift- und Aussprachevarianten entwickelt, so etwa Brook, Brok, Broek, Broeck, Brock, Bruck, Brauk und Broich (Niederrhein). Von den Wohnstättennamen mit -mann ist Brockmann die weitaus häufigste Namensform, Namenvarianten sind Brokmann, Broe(c)k-/Brö(c)k-, Broo(c)k-, Brauck-, Breuck-, Broich-, Broch-, Bruchmann und Bruckmann, letztere Namensform kommt auch im Süden vor und bezieht sich dort auf bruck „Brücke“.

In zahlreichen Fällen ist eine an einem Bruch gelegene Siedlung nach dieser Örtlichkeit benannt worden, an die 100 Orte tragen Namen wie Brauck, Brauke, Broch, Brock, Broich, Broock, Brook und Bruch. Es ist daher möglich, dass die „Bruch“-Namen mit -mann auch als Herkunftsnamen entstanden sind, der erste Broockmann beispielsweise konnte aus einem der beiden mecklenburgischen Orte Broock stammen.

In Nordwestdeutschland sehr verbreitet sind auch die zusammengesetzten Familiennamen mit -brock. In der Regel sind dies Wohnstättennamen, die von einem gleichnamigen „Bruch“ ausgehen, so wohnte beispielsweise der erste Ellerbrock/-brok/-broock/-brook/-broek/-bruch an einem mit Ellern „Erlen“ bestandenen Bruch, der Hasselbrock/-bruch am Hasel(nuss)bruch, der Uhlenbrock/-brok/-brook/-broock/-brauck/-broch/-broich/-bruck/-bruch am Eulenbruch, der Wellenbrock am Quellenbruch (welle „Quelle“), der Westbrock/-broek/-brook, Westerbrock/-broek an einem im Westen der Siedlung gelegenen Bruch.

Häufig wurde der Anwohner eines Bruchs auch mit einem dreigliedrigen Wohnstättennamen benannt, bestehend aus Präposition „in, an, auf, von, zu“ plus Artikel plus Örtlichkeitsname. Auf diese Weise gebildet sind die Namen Aufmbruch, Im Brook/Imbrock/Imbruck/Imbruch, Ten Broeke/Ten-Broeke/ten Broeke/Tenbrock/-broek/-bruck (mit ten = te den „zu dem“), halb hochdeutsch zum Brook/Zum Bruch/Zum-Bruch/Zumbruch/Zumbrock/Zumbroich.

Winfried Breidbach

www.ifn.name

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