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Experten sind sich sicher: „Die nächste Grippe-Welle wird kommen“

Freitag, 18.12.2009, 18:12 Uhr

Münster / Borken - Die Experten sind sich einig: Für Entwarnung im Zusammenhang mit der sogenannten Schweinegrippe gibt es keinen Grund. Zwar sei die Zahl der Neuerkrankungen zuletzt nicht so rasant gestiegen wie noch im November. „Wir können es zwar nicht mit Sicherheit sagen. Aber die Erfahrung lehrt, dass es bei Pandemien in der Regel zu weiteren Wellen kommt. Dann werden die Zahlen auch schnell wieder steigen“, sagt zum Beispiel Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut .

Auch der münsterischen Mikrobiologe Prof. Dr. Georg Peters geht davon aus, dass es „weitere Wellen“ geben wird. Dem Uni-Mediziner aus Münster machen die teilweise sehr heftigen Krankheitsverläufe bei ansonsten gesunden Patienten große Sorgen. Peters und sein Kollege Prof. Dr. Joachim Kühn haben erstmals H1N1-Viren nachgewiesen, die ge­gen das gebräuchliche Grippe-Medikament Tamiflu resistent sind. Unwirksame Medikamente bei gleichzeitig steigender Infektionsrate seien „das schlimmste Szenario“, für den kommenden Winter aber nicht ausgeschlossen.

Eine Gefahr, die von den Menschen nicht ernst genommen wird. Ganz im Gegenteil: „Wir registrieren nach dem Abflauen der öffentlichen Debatte deutlich weniger Interesse an Impfungen“, sagt Joachim Schiek von der Stadt Münster. Insgesamt wurde in Münster bislang Impfstoff (Pandemrix) für 32 640 Impfungen ausgeliefert. In der vergangenen Woche waren es noch 400 Dosen. „Im Moment bestellen wir nicht nach.“ Das gleiche Bild auch in Borken. Dort lagern zurzeit 9000 Impf-Dosen bei den Apotheken und werden im Moment nicht abgerufen. „Wir haben für kommende Woche nicht eine einzige Nachfrage“, sagt Andrea Hertleif vom Kreis Borken.

Das Gesundheitsministerium rät nach wie vor zur Impfung. „Wir sind vorbereitet“, sagt ein Sprecher des Ministeriums. In NRW seien erst eine Million Menschen gegen die H1N1-Influenza geimpft. Insgesamt seien zurzeit drei Millionen Dosen im Land „vorrätig“. „Im Moment kann sich jeder impfen lassen, der will.“

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