Karneval im Kreis Coesfeld
Cocktail mit viel Amour

Sonntag, 07.02.2010, 20:02 Uhr

Lüdinghausen - Wo war man denn da gelandet, als man am Samstagabend das St.-Ludger-Pfarrheim betreten hatte? Blau-weiß-rot soweit das Auge reicht, Baskenmützen ohne Ende, und an der Wand prangt die Parole „Vive la France“ - „Es lebe Frankreich “. Ganz klar: Das französische Nachbarland hatte im Pfarrheim Einzug gehalten, wenigstens für ein paar Stunden. Über 100 Jecken kamen zur diesjährigen Karnevalssitzung unter dem Motto „Vive la France“.

Warum denn ausgerechnet Frankreich? Lukas Wilke sah einige Verbindungen zwischen der französischen Hauptstadt und Lüdinghausen. Die Burg Lüdinghausen würde mit ihren vielen Ausstellungen doch dem Louvre ähneln. „Und einen Arc de Triomphe haben wir am Kreisverkehr im Rott auch“, meinte er. Sein Vater Thomas Wilke , der zusammen mit Günter Sterz durch das abwechslungsreiche Programm führte, erzählte als „unser Mann aus dem Ruhrgebiet“ Lokalkolorit. Mit Blick auf die gelaufene Kirchenvorstandswahlen meinte er: „Da hammse vor die Wahl bei Felizitas richtig die Türen vonnen Pfarrbüro verrammeln müssen, spanische Reiter, Panzersperren und so, weil die Leute sich so nach die Posten gedrängt haben und gar nich früh genuch kandidieren konnten.“ Generell hatten es Thomas Wilke neben Schweinegrippe und Kulturhauptstadt Themen aus der Lüdinghauser Kirchengemeinde angetan. Nüchtern erzählte er von seiner Erkenntnis, dass „die doch tatsächlich bei Felizitas und Ludgers immer noch den gleichen Pastor wie vor zwei Jahren, jau, diesen Kleinwiese, hamm.“ Überrascht war er auch, „wat datt für ne Kante ist“, wenn er „da so stehn tut mit seinen schicken Sakral-Ponscho mittie Regenbogenfarben drauf.“

Genauso bejubelt wie Thomas Wilke wurde auch Reinhard Kleinewiese selbst als sieben Sterne-Koch „Renaud Petit-Prairie“. Er rührte kräftig in der Gerüchteküche, erzählte von seiner Frau und gab Lebensweisheiten von sich während er „Schlagsahne auf Fruchtcocktail aus der Dose mit viel amour“ und einen „Gemeindekuchen“ zubereitete. Zwischendurch musste er sich stärken. „Ich muss jetzt einen kleinen Schluck Wein nehmen, war früher Wasser, aber das könnt ihr nicht!“, spielte Kleinewiese auf seinen „richtigen“ Beruf an.

Eine ganz neue Form der Kunst eröffnete Günter Sterz seinem Publikum mit „Malen mit Menschen“. Unter Mithilfe der Narren und Närrinnen setzte er Begriffe wie den „geregelte Stuhlgang“, „die Kürzeste Fris(s)t“ , „Armleuchter“ und „Drachen an der Leine“ in die Tat um.

Für Maria Edelbusch, Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft, war es zwar der erste Büttauftritt, dennoch begeisterte sie die Lüdinghauser Narren. Als „Marie aus Taverny“ trug sie den Sündenfall von Adam und Eva auf ihre Weise vor. Da Adam nicht alleine sein wollte, hatte er bei Gott eine Reklamation. „Monsieur Gott“ verstand Adams Wunsch nach einer Kameradin, nahm ein Kotelett Adams und sprach: Hoküs poküs fidebüs und hat drei Mal gepüstet.“ Als Adam und seine Kameradin Eva jedoch vom verbotenen Baum einen Apfel gegessen haben, warf Gott sie mit einem großen Donnerwetter und „La Olas“ aus dem Paradies.

Passend zum Sündenfall trat das Quartett „Adamsapfel“ auf. Josef Altenbockum, Manfred Maibaum, Klaus Jeschonke und Joscha Kieslich entführten ihre Zuhörer mit neuen Umsetzungen von Klassiker wie „Oh, Champs Elysées“, „Madeleine“ und „Bonsoir, Herr Kommissar“ nach Paris.

Wie „Adamsapfel“ kamen auch „Die von der Hippenstiege.de“ nicht ohne Zugabe von der Bühne. Josie Seitz, Hanni Hamacher, Tilde Haase, Helga Hüning und Marianne Schwerdter erzählten und sangen von ihrer Reise in die französische Hauptstadt, wo es „ein bisschen unübersichtlicher als hier ist“. Sie hätten einen ganz neuen Schick dahin gebracht, denn alle hätten sich zu ihnen umgedreht, sagten die fünf Frauen.

Den Abschluss einer vielfältigen Karnevalssitzung machten die Messdiener von St. Ludger mit ihrem Rote-Pferd-Tanz, ehe auch für alle anderen die Tanzfläche eröffnet war.

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