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Michelle Barthel: Keine Angst vor der Kamera

Freitag, 12.02.2010, 17:02 Uhr

Nottuln-Schapdetten/ Köln - Sie sagt, dass sie viele traurige Bilder von den Dreharbeiten mitgenommen hat. Michelle Barthel schaut melancholisch aus dem Fenster und nippt an ihrem Kakao. Die münstersche Schülerin denkt an die Figur Becky , die sie in dem WDR-Fernsehfilm „Keine Angst“ spielt. Ein Mädchen, das in Armut lebt, nach der Schule auf die drei kleinen Geschwister aufpasst und in einer schäbigen Wohnung im 14. Stock eines Hochhauses wohnt.

Es ist eine tragische Hauptrolle, die wie ein Synonym für das Thema Kinderarmut in Deutschland steht. Für die Verkörperung dieser Figur hat die 16-Jährige aus Nottuln Ende Januar den Preis als beste internationale Schauspielerin in der Kategorie Drama auf den Filmfestspielen in Biarritz bekommen.

Der Film, den das Erste am 10. März um 20.15Uhr ausstrahlt, handelt von Hoffnungslosigkeit, zerbrochenen Familien und dem Sog aus Drogen, Alkohol und Missbrauch. „Ich hatte Respekt vor ihrer Person“, sagt Michelle Barthel. Denn die 14-jährige Becky ist eine starke Figur, die trotz einer trinkenden Mutter jeden Tag ihre Geschwister von der Sozialstation abholt und gute Schulnoten schreibt. Sie träumt von einem besseren Leben, während sich ihre beste Freundin Melanie (gespielt von Carolyn Sophia Genzkow) samt ihrer kriminellen Clique längst aufgegeben hat.

Die unglückliche Geschichte nimmt ihren Lauf, als Becky Bente (Max Hegewald), einen Jungen aus behütetem Umfeld, kennenlernt und die beiden die erste Liebe erleben. Eine sinnlose Liebe zwischen zwei Welten? Diese Frage stellt sich der Zuschauer unwillkürlich. Doch dann verprügelt die Hochhausclique Bente, ihre kleine Schwester hat einen Unfall, und die Mutter bringt einen neuen Mann mit nach Hause - diese Ereignisse führen gerade an Beckys Geburtstag endgültig zur Katastrophe.

Der Fernsehfilm wurde sechs Wochen lang in einem Hochhaus in Köln-Porz, einem der sozialen Brennpunkte der Stadt, gedreht. „Dort hat man die Realität der Kinderarmut erlebt“, sagt Barthel und denkt an die kahle, nackte Umgebung in dem Stadtteil. Mit ihren Kollegen Max Hegewald und Carolyn Sophia Genzkow lernte sie während der Dreharbeiten von November 2008 bis Mitte Dezember eine andere Welt kennen. „Hier in Münster ist alles so geschützt und ich bin in einer heilen Familie aufgewachsen“, erklärt sie.

Doch die Regisseurin Aelrun Goette half den Jungdarstellern, sich in diese problematischen Figuren einzufühlen. „In manchen Momenten, wenn Becky etwas Schreckliches passiert, dann habe ich ganz kurz die Angst gespürt“, sagt Barthel. Doch die Stimmung am Set sei super gewesen, und oft habe sie mit den Darstellern von Melanie und Bente über die schwierigen Situationen gesprochen.

Michelle Barthel hat bei dem Dreh viel gelernt. „Die Clique, die den Stadtteil unsicher macht, kommt wirklich aus Köln und ist eine Jugendgang“, sagt sie. Intensiv haben sie zusammengearbeitet und viel voneinander gelernt. Die Botschaft der Jugendlichen sei auch zugleich die Botschaft des Films, meint sie. „Dass man an so einem Ort verdammt glücklich werden kann und dass das tiefe Glück in Freunden und Familie liegt“, erklärt sie zum Ende des Gesprächs und lächelt.

» Der Film „Keine Angst“ läuft am 10. März im Ersten. Michelle Barthel ist bereits am 26. Februar Talkgast im „Kölner Treff“ des WDR .

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