Politik Ausland
Obamas Atomwende - in den USA werden neue Reaktoren gebaut

Mittwoch, 17.02.2010, 19:02 Uhr

Washington - Seit 30 Jahren wurde in den USA kein Atomkraftwerk mehr gebaut. Zu sehr steckte den Bürgern und Politikern die Beinahe-Katastrophe von „ Three Mile Island “ in den Knochen: Am 28. März 2979 konnte bei einem Reaktor nahe Harrisburg (Pennsylvania) nur knapp eine Kernschmelze vermieden werden.

Doch nun soll nuklear erzeugte Energie eine Renaissance erleben - dank eines mächtigen Fürsprechers: US-Präsident Barack Obama . Mit der Verkündung einer staatlichen Finanzierungsgarantie in Höhe von acht Milliarden US-Dollar können Betreibergesellschaften nun den Neubau von zwei Kraftwerken im Bundesstaat Georgia in Angriff nehmen. Es ist, so plant es die amerikanische Nuklearindustrie, der Startschuss für die Errichtung von mindestens sechs Reaktoren innerhalb der nächsten zehn Jahre - als Ergänzung der existierenden 104 Atomreaktoren.

In der Öffentlichkeit wurde die Entscheidung Obamas mit Achselzucken hingenommen. Eine heftige Debatte über die Chancen und Risiken der Atomkraft wie derzeit in Deutschland ist ausgeblieben - wohl auch, weil der Präsident in seiner Ankündigung gleich mehrfach versicherte: „Sicher und sauber“ werde die neue Generation der nuklearen Energiefabriken sein, die das Land nun erwarte.

Obwohl sich die demokratische Partei in der Vergangenheit stets eher skeptisch gegenüber der Kernkraft geäußert hat, hofft nun das Weiße Haus gleich drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zum einen hat Obama erkannt, dass der gewaltige Bedarf der weltweit größten Industrienation an sauberer Energie nur auf diesem Weg zu decken sein wird.

„Es ist ganz einfach“, rechnete der Präsident jetzt vor, „um die schlimmsten Konsequenzen des Klimawandels abzuwenden, müssen wir unsere Versorgung mit Kernkraft erhöhen.“ Zum andern schafft Obama mit seinem klaren „Ja“ die Voraussetzungen für tausende neue Jobs: Allein die beiden Reaktoren in Georgia werden rund 4300 Menschen während der Konstruktions- und Betriebsphase Arbeit geben.

Ein dritter Vorteil für Obama: Seine Umarmung der Nuklearindustrie ist auch ein Ölzweig, der in Richtung der Republikaner gereicht wird. Der Präsident benötigt nach den jüngsten Machtverschiebungen im US-Senat das Wohlwollen der Opposition für wichtige innenpolitische Projekte.

Da Amerikas Konservative seit langem für eine Ausweitung der Kernkraft plädieren, ist die Initiative des Weißen Hauses ein Entgegenkommen. Obama erwartet, dass man jene Unternehmen künftig kräftiger zur Kasse bitten müsse, die weiter auf Energieformen mit umweltschädlichen Emissionen setzen.

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