Politik Inland
Am Ende war Wüst für Wahlkämpfer Rüttgers untragbar

Düsseldorf - Zuletzt ging alles ganz schnell. Am Tag nach Rüttgers’ heftigem Donnerwetter in der „Sponsoren-Affäre“ trat der glücklose CDU-Generalssekretär Hendrik Wüst (34) zurück. Nach einer Reihe von Pleiten, Pech und Pannen war der Chef der Abteilung Attacke für den eigenen Parteichef im Landtagswahlkampf untragbar geworden. Wüst wurde gefeuert. Das vernichtende Echo auf...

Montag, 22.02.2010, 16:02 Uhr

Düsseldorf - Zuletzt ging alles ganz schnell. Am Tag nach Rüttgers ’ heftigem Donnerwetter in der „Sponsoren-Affäre“ trat der glücklose CDU-Generalssekretär Hendrik Wüst (34) zurück. Nach einer Reihe von Pleiten, Pech und Pannen war der Chef der Abteilung Attacke für den eigenen Parteichef im Landtagswahlkampf untragbar geworden. Wüst wurde gefeuert.

Das vernichtende Echo auf das „unmoralische Angebot“ der NRW-CDU an Sponsoren für den Landesparteitag am 20.März in Münster hatte das Fass zum Überlaufen gebracht. Selbst Bundestagspräsident Norbert Lammert ( CDU ) nannte den Werbebrief der CDU-Zentrale an Sponsoren „selten dämlich“. Darin hatte die Partei Firmen neben einer Standgebühr von 14 000 Euro exklusive Gespräche mit Ministerpräsident Rüttgers für einen Aufpreis von 6000 Euro angeboten. SPD und Grüne waren empört über den „Ministerpräsident zum Mieten“. Rüttgers verwahrte sich gegen den Vorwurf der Käuflichkeit und versicherte, er habe von dem Werbebrief nichts gewusst.

Während sich an der Parteibasis Protestbriefe häuften, beriet Wüst am Morgen mit seinen Mitarbeitern die ausweglose Lage. Auch in der Fraktion wuchs der Druck – CDU-Abgeordnete waren stinksauer über den Negativ-Wahlkampf. Der wütende Rüttgers konnte und wollte die Ausfälle des mit 20 000 Euro Einnahmen im Monat üppig dotierten CDU-Generals nicht länger dulden. Der Vorwurf der „Käuflichkeit“ war hochgefährlich für Rüttgers – der Chef musste einen Trennungsstrich ziehen, um nicht selbst voll in die Schusslinie zu geraten.

Es war bei Wüst einfach ein Skandal zu viel. Der Münsterländer Jäger hatte zu häufig in die eigenen Reihen geschossen. Ende 2009 wurde öffentlich, dass Wüst seit Mitte 2006 monatlich 310 Euro zu viel an Zuschüssen für Kranken- und Pflegeversicherung kassiert hatte. Die Opposition sprach von „Abzockerei“. Der CDU-General zahlte 5000 Euro an die Landeskasse zurück. Rüttgers hielt in der „Gehaltsaffäre“ an seinem umstrittenen Parteimanager fest. Trotz des dicken Bocks gab sich Wüst locker. Er sei mit dem Sattel geradezu verwachsen, konterte er Fragen, wie fest er noch im Sattel sitze. Jetzt musste Wüst im vollen Galopp absteigen.

„Man kommt an einen Punkt, wo man sich fragt, ob man der Partei im Wahlkampf noch helfen kann. Wenn nicht, dann muss es ein Anderer machen“, teilte der geschasste Nachwuchspolitiker gestern Nachmittag mit. „Der 25.Organisationsfehler war zu viel“, weiß ein Insider. Mit der „Videoaffäre“, bei der die CDU die SPD-Herausforderin Hannelore Kraft per Kamera beobachten ließ, hatte sich Wüst verbale Prügel eingefangen. Hinzu kamen die „E-Mail-Affäre“ mit dem Austausch von Infos zwischen Partei und Regierung sowie eine Prozesslawine gegen CDU-Mitarbeiter vor Gericht.

Der junge CDU-Politiker war bekannt für seinen nassforschen Stil und die markigen Sprüche („Kraftilianti“). Immer wieder brachte der akkurat gescheitelte Christdemokrat die Opposition mit seinen scharfen Tönen zur Weißglut. Seine Parteizentrale hatte Wüst offenbar nicht im Griff. „Da arbeitete jeder für sich. Das hat sich jetzt gestraft.“, wissen intime Kenner der Wasserstraße.

CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers sucht derzeit nach einem geeigneten Nachfolger. Im Gespräch sind die Ruhrgebietspolitiker Oliver Wittke und Helmut Diegel. Falls Rüttgers auf einen weiblichen General setzt, gilt Ulla Heinen als Favoritin. In jedem Fall soll es ein politischer General sein.

Jurist Hendrik Wüst wird als Landtagsabgeordneter für den Kreis Borken weiter aktiv bleiben. In der CDU gilt Wüst zwar weiter als politisches Talent. Für das Amt des Generals sei er aber wohl doch zu jung gewesen, heißt es.

In der CDU wird betont, dass Sponsorenverträge für Parteitage auch in anderen Parteien durchaus üblich seien. Auch sei es nicht ungewöhnlich, Sponsoren an den Tisch von Politikern zu setzen. Die NRW-Grünen wollen den Fall in der kommenden Woche im Hauptausschuss behandeln. Laut WDR konnten bereits 2004 gegen Zahlung von 14 000 Euro Sponsorenpakete für einen CDU-Kongress erworben werden. Dafür durften sich Sponsoren an den „Top-VIP-Tisch“ setzen. Damals war Wüst allerdings noch nicht im Amt.

Nach knapp vier Jahren im Amt verließ Wüst gestern 77 Tage vor der Landtagswahl die Kommandobrücke im Wahlkampfteam. Heute tagt in Düsseldorf der CDU-Landesvorstand. Dann muss Rüttgers dem Gremium eine neue Lösung präsentieren.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/294115?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F35537%2F596157%2F596566%2F
Nachrichten-Ticker