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Inkasso-Büro verschickt dubiose Mahnbescheide in der Region

Montag, 01.02.2010, 20:02 Uhr

Münster - Der Brief hat es in sich. Stolze 138,61 soll der Empfänger innerhalb von sieben Tagen für die Teilnahme an einem Gewinnspieldienst überweisen, schreibt die Firma Proinkasso aus Neu-Isenburg bei Frankfurt . Anderenfalls drohen „ Mahnbescheid , Vollstreckungsbescheid, nach Erlass eine Vollstreckungsbescheides: Zwangsvollstreckung durch den Gerichtsvollzieher“ und am Ende sogar die Pfändung von Rente und Bankguthaben.

Schreiben wie diese sind in den vergangenen Wochen offenbar zu Tausenden in den Briefkasten der Region gelandet. Bei den Verbraucherzentralen häufen sich die Anfragen der Betroffenen.

Die Masche ist immer die gleiche: Das Inkasso-Büro gibt vor, für den Gewinnspieleintragungsdienst Tipp House die Forderung von 138,61 einziehen zu wollen. „Allerdings hat keiner der Empfänger jemals mit der Firma Tipp House zu tun gehabt“, sagt Peter Lindackers von der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf. Aus gutem Grund: Die Firma Tipp House gibt es anscheinend gar nicht. Erfolg hat Proinkasso dennoch. Weil sie verunsichert sind, überweisen viele Empfänger des Mahnschreibens den geforderten Betrag auf das Konto von Proinkasso bei der Noa-Bank in Frankfurt am Main.

Dort ist man über das Geschäftsgebaren von Proinkasso alles andere als erfreut. Bereits im Dezember habe man das Konto fristlos gekündigt, so ein Sprecher der Noa-Bank gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Proinkasso klagte - mit Erfolg. Nach einer einstweiligen Verfügung des Oberlandesgerichts Frankfurt musste die Noa-Bank das Konto wiedereröffnen. Das Kreditinstitut, eigentlich auf nachhaltige Geldanlagen spezialisiert, kündigte erneut - dieses Mal allerdings fristgerecht. Das Konto werde nun am 8. Februar dieses Jahres gelöscht, so der Bank-Sprecher.

Auch dem Bundesverband Deutscher Inkassounternehmen (BDIU) ist das Treiben der Geldeintreiber aus Neu-Isenburg ein Dorn im Auge. „Solche Firmen schaden der Branche“, sagt BDIU-Geschäftsführer Hans Ludwig Körner. Deshalb sei Proinkasso bereits im Jahr 2005 aus dem Verband ausgeschlossen worden. Bundesweit sind laut Verbandsangaben knapp 750 Inkasso-Firmen tätig, 540 sind im BDIU organisiert und haben sich einem Verhaltenskodex unterworfen. „Für die übrigen Inkasso-Büros kann der Verband deshalb nicht sprechen“, sagt Körner.

In der Branche ist Proinkasso nicht unbekannt. Gegründet wurde das Unternehmen dem Anschein nach im Jahr 2001. Im vergangenen Jahr hatte das Inkasso-Büro aus Neu-Isenburg schon einmal Teile der Bundesrepublik mit dubiosen Mahnschreiben überzogen. Inhalt: Eine Forderung über 133,61 im Namen der Firma CC Profi, die angeblich einen Gewinnspieleintragungsdienst betreibt.

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