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Missbrauchsfälle am Kapuziner-Internat in Bocholt

Freitag, 19.03.2010, 12:03 Uhr

Bocholt - Auch im ehemaligen Kapuziner-Internat in Bocholt sind vermutlich Kinder sexuell missbraucht worden. Zwei mögliche Opfer, die damals etwa 12 oder 13 Jahre alt waren, haben sich per E-Mail gemeldet, bestätigte Pater Richard Dutkowiak, Pressesprecher der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerprovinz.

Eine Mail sei ans Bistum, die andere sei direkt an die Provinzleitung der Kapuziner gegangen. Die Missbrauchsvorfälle lägen beide etwa 40 Jahre zurück. Die Provinzleitung habe den beschuldigten Pater inzwischen vom Dienst suspendiert und eine deutsche Staatsanwaltschaft eingeschaltet, teilte Pater Richard mit, der von 1972 bis 1974 selbst Internatsleiter und Lehrer am Kapu war.

In seiner Zeit am Kapu - seiner ersten Stelle nach dem Studium - habe er nie etwas von Missbrauch mitbekommen oder gehört, sagte Pater Richard auf BBV-Anfrage. Aber die angeblichen Vorfälle hätten sich ja auch vor seiner Zeit, Ende der 60er Jahre, zugetragen. Ob der beschuldigte Mönch die Kinder einmal oder mehrmals missbrauchte, sei noch unklar. „Beim zweiten Betroffen wissen wir auch nicht, wie das zu werten ist“, erklärte Pater Richard.

„Ob es noch weitere Opfer oder Vorfälle gegeben hat, ist der Ordensleitung nicht bekannt, da diese auch erst seit wenigen Tagen von den Anschuldigungen weiß“, heißt es in der Pressemitteilung, die der Pater gestern verschickte. Aber die „Verdachtsmomente“ gegen den Mitbruder scheinen schon „stichhaltig“ zu sein, denn unter dieser Voraussetzung wird ein Kapuziner-Pater sofort von seinem Dienst entpflichtet, wie Pater Richard das Vorgehen der Kapuziner in der Pressemitteilung erklärt. „Wir haben uns verpflichtet, alles an den Staatsanwalt zu geben“, sagte er weiter. „Für die Opfer ist es wichtig, dass etwas passiert.“

Details wolle die Provinzleitung vor Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht nennen, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Denn die Untersuchung solle nicht behindert werden. Doch allzu viele Einzelheiten sind laut Pater Richard noch gar „nicht vorhanden“.

Alle Hinweise würden ernst genommen, erklärt Hans-Dieter Kohnen, Direktor des St.-Josef-Gymnasiums, dem das Internat der Kapuziner früher angeschlossen war. Seit Tagen steht Kohnen bereits mit Pater Christophorus Goedereis, dem Leiter der Ordensprovinz, und Pater Richard in Kontakt. „Wir sind dem Ganzen auf der Spur“, erklärte Kohnen. „Ich habe mit dem Orden abgesprochen, dass der das federführend übernimmt.“

Träger des St.-Josef-Gymnasium sind seit 1992 nicht mehr die Kapuziner, sondern das Bistum Münster. Das Kapu-Internat, das einst um die 100 Schüler beherbergte, wurde mangels Schüler bereits 1980 geschlossen.

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