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Forensik in Münster-Amelsbüren wird erst 2011 fertig

Münster-Amelsbüren - Der Landesbeauftragte für den Maßregelvollzug in NRW ließ gestern alle an seinen Empfindungen teilhaben. Richtfest zu feiern, sei für ihn ein „erhebender Moment“, sagte Uwe Dönisch-Seidel, der zugleich sichtbar bemüht war, die westfälische Seele zu streicheln. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit fielen die Attribute „westfälisch“ oder „münsterländisch“...

Dienstag, 09.03.2010, 21:03 Uhr

<1>Münster-Amelsbüren - Der Landesbeauftragte für den Maßregelvollzug in NRW ließ am Dienstag alle an seinen Empfindungen teilhaben. Richtfest zu feiern, sei für ihn ein „erhebender Moment“, sagte Uwe Dönisch-Seidel , der zugleich sichtbar bemüht war, die westfälische Seele zu streicheln.

Bei jeder sich bietenden Gelegenheit fielen die Attribute „westfälisch“ oder „münsterländisch“. In dem Schnaps, der ihm beim Richtfest oben auf dem Dach der künftigen Aufnahmestation der Forensikklinik von den Zimmerleuten eingeschenkt wurde, erkannte er „einen Münsterländer“. was wohl anerkennend gemeint gewesen sein muss.

Ein zweites Pintken jedoch mussten ihm die Zimmerleute geradezu aufdrängen. Dönisch-Seidel hantierte so gekonnt mit dem Zimmermanshammer, dass er erstens kein Mal daneben schlug und zweitens den Nagel in Rekordzeit ins Gebälk trimmte. Zimmermann Norbert Brüning hatte jedenfalls Mühe, den Ministerialbeamten aus Düsseldorf zu einem Schnäpschen zu „verdonnern“.

<2>Dafür fielen die Worte „westfälisch“ und „münsterländisch“ nochmals bei der Beschreibung der Architektur des Gebäudeen­sembles. Die Klinik habe einen regelrechten Dorfcharakter, lobte er. Die Architektur solle an ein „münsterländisches Dorf“ erinnern - und nicht an „ein Ghetto“.

Die sieben Gebäude gruppierten sich um einen Mittelpunkt, den Dönisch-Seidel fachmännisch als „Anger“ bezeichnete, als Dorfplatz in Gemeinbesitz, der von allen Bewohnern des Dorfes genutzt werden kann. Von einem Gebäude war gestern allerdings noch nichts zu sehen. Doch auch die Werkstatt, so versicherte Architekt Wörmann, soll zeitgleich mit den anderen Gebäuden fertig gestellt sein.

Auch der Architekt wartete mit einer kleinen sprachlichen Wendung auf, die für vielsagende Schmunzler sorgte. Das Richtfest, so merkte er an, sei der Zeitpunkt, an dem das Bauwerk erstmals im Maßstab 1:1 zu erkennen sei. Eine sprachliche Anspielung auf den sogenannten 1:1-Ausgang. Das Schlagwort vom 1:1-Ausgang umschreibt bekanntlich eine kontrovers diskutierte Forderung der Bürgerinitiative.

Was das Thema Sicherheit anbelangt, nutzte das Land die Gelegenheit, die neueste Technik zu präsentieren. Neben dem 5,50 Meter hohen Zaun waren bereits die ersten kameraüberwachten Sicherungssysteme errichtet. Vom 20 Meter hohen Sichtschutzwall, der die Klinik künftig ebenfalls umgehen soll, war hingegen noch nicht so viel zu erkennen. Der Winter blieb nicht ohne Folgen. Die Fertigstellung der Forensik wird erst im März 2011 erwartet.

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