Politik Ausland
Ex-Kommissionspräsident Prodi: „Griechen aus der Klemme helfen“

Donnerstag, 25.03.2010, 16:03 Uhr

Münster - Romano Prodi , ehemaliger Präsident der EU-Kommission , empfiehlt eine konzertierte europäische Intervention, um Griechenland aus der Finanzklemme zu helfen. „Wir hätten in der EU schon früher Vorkehrungen für einen solchen Fall treffen müssen“, sagt Prodi am Mittwochabend im Gespräch mit unserer Zeitung in Münster, wo er später als Festredner eine Tagung eröffnete. Die Insolvenz Griechenlands sei „ein politisches Problem“, weniger ein ökonomisches, meint der 70-Jährige. Griechenland werde überschätzt, das Bruttosozialprodukt dort betrage etwa ein Viertel des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. „Man braucht für die Rettung gar nicht so viel Geld.“

So weit so gut - und so schlecht, denn Europa sieht der Wirtschaftsprofessor aus Bologna noch viel stärker in der Finanzkrise als beispielsweise Asien. Dort unterrichtet der Rechtswissenschaftler und Ökonom in Shanghai an der Universität, ebenso wie in den USA am Watson-Institute der Brown University.

Sein Rückzug aus der Politik ist endgültig, „absolut sicher“, bekräftigt Prodi, der zweimal, von 1995 bis 1998 und von 2006 bis 2008 Ministerpräsident Italiens war. Zweimal hat er Briefbombenattentate in seiner Wohnung unverletzt überstanden, seinen Abschied aus der italienischen Politik haben die damaligen Koalitionäre zu verantworten, sagt er. „Sie haben mich im Stich gelassen“, merkt Prodi an: „Ich überlasse die Politik jetzt einer neuen Generation.“ Zu seinem heftig umstrittenen Nachfolger Berlusconi sagt er nichts, dafür aber vieles über die neue Generation an sich. Die Jugend stimmt ihn besorgt - denn der nachwachsenden Generationen, die die Zeit der Kriege in Europa nicht mehr erlebt hat, fehle zunehmend der „europäische Geist, die Vision“. „In Europa lebt jetzt die dritte Generation ohne Krieg - ein großes Glück“, betont Prodi, aber auch Grund dafür, dass „das geistige Fundament der europäischen Einigung bröckelt“. Diese Basis, „das gemeinsame Verständnis über Ethik, Zivilwerte und Religion gilt es zu festigen“.

Deshalb spricht er auch auf einer Veranstaltung des katholischen Theologen Prof. Hubert Wolf in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“, bei der ein internationales Forschungsnetzwerk gegründet wurde, das die Rolle des Vatikans in den Jahren des Nationalsozialismus untersucht.

„Das europäische Fundament ist nicht die Wirtschaft“, sagt er, und kommt dann noch einmal auf die griechische Staatspleite und die drohende Eurokrise: Die deutschen Interessen als Exportland kann er gut nachvollziehen, sagt er und fügt hinzu: Momentan favorisiert der Euro den stärksten Teil Europas - und das ist Deutschland.“

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