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Münsters kostbarer Schatz: Größte private Sammlung altsprachlicher Bibeln

Montag, 19.04.2010, 16:04 Uhr

Münster - Die etwas geschäftsmäßig eingerichteten Räume an der Pferdegasse täuschen vielleicht darüber hinweg. Doch hier im Bibelmuseum liegt nun ein Schatz, um den viele Forschungseinrichtungen von Rang und Namen Münster beneiden. 650 alsprachliche Bibeln hat der Privatsammler Walter Remy dem münsterschen Bibelmuseum überlassen.

Der Bestand an kostbaren Bibeln hat sich nach Auskunft von Prof. Dr. Holger Strutwolf damit verdoppelt. Mit Blick auf das Alter der Bibeln, vom 15. bis 18. Jahrhundert, hat sich der bibliophile Schatz in seinem ideellen, aber sichere auch rein materiellen Wert vervielfacht. Am Montag gab es nach vielen Jahren der „Kontaktanbahnung“ offiziellen Grund zum Feiern. Der heute 75-jährige Anwalt Walter Remy aus Betzdorf an der Sieg übergab seine Privatsammlung offiziell dem Bibelmuseum, und das im Rahmen eines kleinen Festaktes, an dem Vertreter der Universität ebenso teilnahmen wie Vertreter jener Stiftungen, die das alles finanziell möglich gemacht haben.

Wobei über den Preis des ganzen natürlich geschwiegen wird. Dem Sammler, der sich neben seiner Profession als Anwalt praktisch sein gesamtes Leben auch leidenschaftlich mit dem Studium von Bibeln und deren antiquarischen Ankauf beschäftigt hat, kam es in erster Linie darauf an, seine Sammlung in guten Händen zu wissen. Die Universität Münster , die Kulturstiftung der Länder, die Kunst-Stiftung Nordrhein-Westfalen die NRW-Staatskanzlei und der Exzellenscluster „Religion und Politik“ halfen mit, die Angelegenheit finanziell zu regeln. Und es versteht sich von selbst, dass der Schatz selbst noch viel kostbarer ist.

Eigentlich müsste man für einen solchen Schatz ein Museum extra bauen. An der Pferdegasse geht es doch recht beengt zu. Immerhin: Die Universität Münster hat die ehemalige Gregor-von-Nyssa-Forschungsstelle eine Etage höher umgesiedelt, so dass dort jetzt zusätzlicher Raum für die Bibelsammlung entsteht. Für Prof. Dr. Holger Strutwolf ist es wichtig, dass die Bibeln jeweils in Auszügen präsentiert werden, vor allem aber sollen sie in den entsprechenden Arbeitsräumen für die wissenschaftliche Arbeit zur Verfügung stehen. Denn auch wenn Walter Remy die Bibeln detailliert beschrieben und aufgelistet hat, wird es sicher einige Zeit brauchen, bis die münsterschen Wissenschaftler wissen, was sich hinter den einzelnen kostbaren Stücken so alles verbirgt. Ein Beispiel nannte Struwolf am Montag schon. So hatte er eine große Bibel aus der direkten Nachreformationszeit von 1545 aufgeschlagen und darin ein Vorwort des Reformators Melanchthon entdeckt, der darin auf die Wichtigkeit der griechischen Bibelausgabe hinweist.

Die Sammlung Remy, die allgemeinhin als größte Privatsmamlung altsprachlicher Bibeln in Deutschland gilt, wurde bislang noch nicht wissenschaftlich aufgearbeitet. Es gibt viele spannende Fragen, die die Bibelforscher in Münster künftig klären können: Wie verhält sich der gedruckte Text zur handschrifltlichen Überlieferung? Was verraten etwa die Kommentare in den Bibeln? Zu welchem Zweck wurden sie herausgeben. Gab es politisch-religiöse Netzwerke in der frühen Neuzeit. Wo sind Unterschiede zwischen katholischen und protestantischen Bibel-Ausgaben?

Mit der Sammlung Remy zählt das Bibelmuseum der Universität Münster zu den beduetendsten theologischen Forschungszentren in Deutschland. Die Universität vergleicht dessen Bedeutung mit den altsprachlichen Bibelsammlung der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart und der Herzog-August-Bibliothek in Wolfanbütte. Münster ist, was die Bibelforschung angeht, ja ohnehin schon eine weltweit führende Adresse. Denn das das Bibelmuseum ist dem Inistitut für neutestamentliche Textforschung angeschlossen. In aller Welt wissen Theolgen, dass der Urtext des Neuen Testaments in vielen Jahrzehnten durch Kurt und Barbara Aland in Münster erforscht und gesichert worden ist und künftig weiter erforscht wird.

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