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Einer der letzten Masematte-Sprecher

Freitag, 09.04.2010, 09:04 Uhr

Münster - Josef Spliethoff gehört zu einer aussterbenden Spezies von Münsteranern . Zu jenen nämlich, die die Masematte nicht nur aus Spaß mal benutzen - sondern diese Geheimsprache aktiv gesprochen haben. Ja, lächelt der 75-Jährige, „ich bin ein Masematte-Rakaweler - also einer von denen, die der Rakawele ambach sind“.

Spliethoff schätzt den Kreis derer, die das von sich behaupten können, „auf höchstens noch zehn“. Deshalb hat ihn auch irritiert, dass letzthin in dieser Zeitung ein anderer Münsteraner als letzter noch lebender Masematte-Sprecher bezeichnet wurde. „Da haben mich meine Freunde gefragt, ob ich jetzt mulo bin oder ob ich die Rakawele nich mehr mucker bin.“

Der 75-Jährige hat sich als Junge in den Milieus bewegt, in denen damals die münsterische Geheimsprache Masematte zu Hause war - einerseits im Kuhviertel und andererseits bei den Viehhändlern. Er hat, so könnte man sagen, schon als Koten Masematte rakawelt.

Josef Spliethoff wohnte an der Wankelgasse - und ging zusammen mit den Jungs vom Brink zur Überwasserschule. Und die hatten es zum Teil faustdick hinter den Ohren, denn dieses Quartier hatte im Vorkriegsmünster nicht den besten Ruf. „Tasche, Brink und Ribbergasse - Messerstecher erster Klasse“, reimte der Volksmund.

„Brinker“, so erinnert sich Spliethoff, „war damals so etwas wie ein Schimpfwort. Die meisten konnte man schon am Outfit erkennen, „weil die hatten so´ne schofle Kowe an“. Und wenn sie Fußball spielten, flog der Ball nicht am Gesicht des Gegner vorbei - sondern da peste die Asse den Seeger am Schmui vorbei.

Noch mehr Masematte freilich zog sich der junge Spliethoff rein, wenn er bei „Onkel Jopp“ war. Der war nämlich Viehhändler. Und die nutzten die Masematte gerne, um sich untereinander zu verständigen, wenn sie etwa mit den Bauern über die Preise verhandelten. Spliethoff lächelt: „Damit die Knäbbels das nich muckerten.“

Zu Hause wurde Platt gesprochen, sodass man mit Fug und Recht behaupten kann, dass Josef Spliethoff dreisprachig aufgewachsen ist. Wenn man noch das Hochdeutsche aus der Überwasserschule hinzunimmt . . .

Durch den Krieg wurden diese Strukturen weitgehend zerstört. Nach dem Krieg, so Spliethoff, habe die Masematte sicher noch eine Weile auf dem Bau „bei den Speismakeimern“ überlebt. Aber das habe sich auch längst erledigt.

Heute, lächelt Josef Spliethoff, krame er die Masematte nur noch „aus Jokus“ hervor, etwa wenn er andere „Masemattefreier“ treffe oder wenn man in „ Muffi “ mal über alte Zeiten plaudere.

Dabei hat er das Vokabular noch voll drauf. Und wenn´s sein muss, deklamiert er die ganze „Bürgschaft“ auf Masematte: Zu Dionys, den schoflen Schauter, böschte Damon, die Plotte inne Kowe . . .

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