Lokales
Die Liebste lässt ihn ziehen

Donnerstag, 01.04.2010, 00:04 Uhr

Münster - Da fährt einer mit dem Fahrrad ein Jahr lang um den Globus - und die Freundin bleibt zu Hause. Wie findet die Freundin das? „Ich unterstütze ihn“, sagt Vanessa Warias lächelnd. „Aber bis zu meinem Geburtstag nächstes Jahr im April soll er wieder hier sein!“ Nächstes Jahr im April? Das könnte knapp werden. Patrick Pohl , der tapfere Weltenradler, hat sich vorgenommen, den Erdball in zwölf Monaten zu umstrampeln. Doch sogar ein Kilometerfresser wie er, der mit schwerem Gepäck seine 150 Kilometer täglich reißt, muss einräumen, dass es länger dauern könnte. Zum Beispiel wegen der Kälte. Der Winter beginnt für Patrick Pohl in China , und er begleitet ihn durch Kasachstan und Russland. Kann gut sein, dass es dort noch etwas frischer wird als jene minus 20 Grad, die sein Schlafsack laut Herstellerangaben mindestens abkann. Und bei dicker Erkältung unterbricht sogar ein Patrick Pohl seine Fahrt. Schließlich mag er keinen Zeitdruck: Deshalb hat der Krankenpfleger Nägel mit Köpfen gemacht und sowohl seinen Job als auch seine Wohnung an der Warendorfer Straße gekündigt. Das ist so imponierend, dass zu seiner Abfahrt gleich Dutzende Fans und Journalisten erschienen sind: Gestern Mittag wurde Patrick Pohl vor dem Rathaus verabschiedet. Von Freundin, Papa, Kumpels, einer neugierigen Menge - und natürlich von Bürgermeisterin Karin Reismann. Die hat hier schon viele Radler kommen und gehen sehen, aber noch nie einen mit so großem Bahnhof. Ob er sich nicht auch mal fürchten würde, so ganz allein unterwegs? Doch, sagt Patrick Pohl fröhlich, nachts im Zelt, da könne es schon unheimlich werden, wenn draußen unbekanntes Getier krakeelt. An einen Emu in Australien erinnert er sich mit Schaudern. Patrick Pohl lacht, umarmt, schüttelt Hände und erzählt viel vom weltweiten autofreien Tag, dem „World Carfree Day“, für den er mit seiner Rundreise wirbt. Sein Fahrrad, liebevoll „Gisela“ gerufen, wartet derweil geduldig auf die Abfahrt. Sie ist noch relativ leicht bepackt, weil der Radler auf seiner ersten Etappe bis zum Düsseldorfer Flughafen nicht viel Lebensmittel mit sich führt. Freitag fliegt er in die Staaten, da würde der Zoll Ärger machen. Also deckt er sich an Ort und Stelle ein. Bei strahlendem Sonnenschein verabschiedet sich Patrick Pohl von Münster. Den Abschied von seiner Liebsten schiebt er noch auf, man sieht sich am Flughafen. Und natürlich im Herbst in Australien - dann wird die Reise für vier gemeinsame Urlaubswochen unterbrochen. Vanessa Warias freut sich schon.

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