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Jagd nach der Diva - Erdbeersaison mit Verspätung eröffnet

Mittwoch, 19.05.2010, 18:05 Uhr

Lüdinghausen - Schneidender Wind. Nachttemperaturen nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt. Und die Tage kaum besser. Was zurzeit der heimischen Erdbeere zu schaffen macht, konnte am Mittwoch jeder am eigenen Leibe spüren, der bei der Eröffnung der diesjährigen Erdbeersaison in Lüdinghausen dabei war.

„Der Winter war lang, sehr, sehr lang - und kalt“, fasste es Stefan Kraege , Vorsitzender des Landesverbandes Obstbau Westfalen-Lippe, zusammen.

Zwar habe sich die Erdbeere durch die konstant vorhandene Schneedecke eine Art Wintermantel zugelegt, der ihr durchaus gut getan hat. „Doch nun hält der Mai nicht, was er verspricht. Von Wonnemonat keine Spur.“ Noch immer gebe es zu viele Spätfrost-Nächte.

Anbauer wie der Lüdinghauser Eberhard Böcker, der am Mittwoch seinen Hof für die Eröffnung zur Verfügung stellte, müssten „abends Vlies oder Folien auf die Felder decken, es morgens wieder abnehmen, damit Hummeln und Bienen die Pflanzen bestäuben können“. Die Erdbeere „wie eine Diva zu behandeln“, das koste viel Geld, ebenso wie Tunnel-Produktion und Frostschutzberegnung - was sich alles in allem deutlich im Preis niederschlage.

„Drei Euro pro 500-Gramm-Schale“, bezifferte Heinrich-Ludger Rövekamp , was Kunden derzeit für die roten Leckerbissen bezahlen müssen. Erdbeeren seien gerade vor Pfingsten heiß begehrt - „kaum werden 20 Grad erwartet, wollen alle Leute Früchte essen“, betonte der Obstbauberater der Landwirtschaftskammer NRW.

Allein, heimische Erdbeeren in großer Menge erwarte er frühestens in zehn Tagen: „Zurzeit befinden wir uns noch auf einer Verfolgungsjagd.“ Ebenfalls später als in früheren Jahren werden die Felder für Selbstpflücker geöffnet. „Nicht vor dem 10. Juni“, schätzte der Fachmann.

Hohe Preise und eine riesige Nachfrage - das berge die Gefahr eines Etikettenschwindels. „Händler denken sich: Da kann ich mehr verdienen - und machen eine holländischen Frucht mal schnell zu einer deutschen“, warnte Stefan Kraege. Ob an der Straße oder auf dem Wochenmarkt: Er rate Kunden, genau hinzusehen und ruhig mal dem Händler auf den Zahn zu fühlen. Kraege: „Wir empfinden so etwas nicht als Kavaliersdelikt.“

Mit Einnahme-Einbußen we­gen der kühlen Witterung rechnen die Bauern allerdings nicht. Wie Johannes Frizen, Präsident der Landwirtschaftskammer NRW, sagte, gebe es - anders als beim Spargel - noch nach dem 24. Juni heimische Erdbeeren zu kaufen, sodass Anbieter die anfänglichen Engpässe werden ausgleichen können.

Möglich machen das, wie Obstbau-Experte Kraege skizzierte, „extrem frühe und extrem späte Sorten“. Außerdem sei die westfälische Erdbeere größer, robuster und schmackhafter geworden.

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