Homepage Thema 5
FMO: „Die 3600-Meter-Piste kommt nie“

Mittwoch, 05.05.2010, 18:05 Uhr

Greven - Es ist eine durchaus vertrackte Situation, in der sich der Flughafen Münster /Osnabrück (FMO) befindet. In Twente deutet die Entwicklung auf eine bald schon ernst zu nehmende Konkurrenz hin, vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster steht der zurückverwiesene Prozess um die Verlängerung der Startbahn an. Wie der ausgeht, wissen nur die Auguren.

Wen wundert´s da, dass sowohl der Flughafen als auch der gegen den Ausbau klagende Naturschutzbund Deutschland (Nabu) an einer außergerichtlichen Einigung interessiert sind. Eine Lösung, ausgehandelt am grü­nen Tisch, ei­ne, die beide Seiten das Gesicht wahren lässt.

Das Paradoxon aber ist: Die Kontrahenten könnten in der Sache vielleicht übereinkommen. De facto dürfen sie es aber nicht. Weil die Umstände verzwickt sind, der rechtliche Rahmen eng ist wie ein Korsett und die Jahre des Wartens den FMO in die ungünstige Lage hineinmanövriert haben, für die Startbahn-Verlängerung Argumente bemühen zu müssen, an die keiner mehr glaubt. Wäre es ein Stück auf der Bühne, man würde es wohl tragisch nennen.

Der Flughafen, sagt dessen Chef Gerd Stöwer mit Blick auf die zu Jahresbeginn ge­führ­ten Gespräche, sei bereit gewesen, von den geforderten und in zwei Bauabschnitten geplanten 3600 Metern Piste ein Stück diesseits der 3000er-Marke abzutrennen. Der Nabu seinerseits, sagt der Landesvorsitzende Josef Tumbrinck , hätte der ersten Baustufe und damit einer Verlängerung von derzeit 2200 auf knapp unter 3000 Meter zugestimmt. Aber nur unter der Bedingung, dass der nahe Elting-Mühlenbach mit seinen seltenen, kleinen Fischen nicht unter der Startbahn hindurchgetunnelt werden muss, sondern sich als Fließgewässer drumherumschlängeln kann. Drei Mal trafen sich Stöwer und Tumbrinck. Im Februar brachen sie die Gespräche ab. Wie soll man sich die Hand reichen, wenn der eine gefesselt ist?

Vor 15 Jahren begann der FMO, die Startbahn-Verlängerung zu planen. Die Euphorie war groß. Damals schien Fliegen so alltäglich zu werden wie Autofahren, die Flughafen-Eigner sahen den Airport in Greven im Aufwind. Darum planten sie maximal: 3600 Meter lang sollte die Startbahn werden; um in­terkontinental fliegen zu können.

„Heute wissen wir: Länger als 3000 Meter werden wir nie ausbauen“, sagt ei­ner aus dem Kreis der Gesellschafter. Seit Jahren gehen die Fluggastzahlen in den Keller, Millionen Fernreise-Hungriger am FMO, das bleibt wohl Illusion. Zudem benötigen die modernen Flie­ger längst nicht mehr so viel Anlauf.

Nach außen muss der FMO jedoch an seiner intern längst überholten 3600-Meter-Vari­an­te festhalten. „Wir dürfen keinen Zweifel daran aufkommen lassen“, heißt es. Denn die Länge ist mit dem Planfeststellungsbeschluss in Beton ge­gossen. Offiziell davon abzurücken hieße, komplett neu in das Verfahren einsteigen zu müssen. Das hieße aber, eine ziemlich dicke Kröte schlucken zu müssen: Weil erneut Jahre verloren gingen.

Was nun tun? Den Prozess durchziehen, ein bisschen wider Wollen und besseres Wissen. Und natürlich auf Erfolg setzen. „Eine andere Möglichkeit haben wir nicht“, sagt der Gesellschafter-Vertreter. „Und sollten wir verlieren“, schiebt er hinterher, „werden wir sofort in die neue Planfeststellung gehen“ - mit einer 3000 Meter langen Startbahn.

Als seien diese Probleme nicht schon groß genug, dräut jenseits der Grenze noch ein mächtiger Konkurrent zu entstehen. Kommt der Flughafen in Twente, „haben wir keine andere Chance, als in den FMO reinzubuttern“, sagt der Kontaktmann. Der Flughafen sei einfach zu wichtig für die Region. „Da wird sich niemand weigern, in die Verlustabdeckung zu gehen.“ Irgendwie ein schwacher Trost.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/186400?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F35537%2F596157%2F596528%2F
Nachrichten-Ticker