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Kastanien-Streit: Mädchen rutscht auf Blättern aus - Stadt will Baum nicht fällen

Sonntag, 16.05.2010, 18:05 Uhr

Hörstel - Zugegeben, die Ka­stanie sieht wunderschön aus, wie sie so dasteht, inmitten eines Kiesrondells , mit Bänken darunter, stattlich und in frühlingshafter Blüte. Ge­nau das aber ist in den Augen des Anwohners Robert Emerson ein Problem. Fallen doch Blüten, Blätter und im Herbst Kastanien herunter und brin­gen seine Tochter zu Fall.

Elfmal ist die 17-Jährige bereits an beiden Hüften operiert worden, „je zehn bis zwölf Stunden lang“, erzählt ihr Vater. Von Geburt an hat Grace diesen Hüftschaden und in der Folge einen Schwerbehindertenausweis über 80 Prozent. Ihr größter Trost sei, so beschreibt es ihr Vater, das schneeweiße, kläffende Knäuel namens Lilo. Mit der Malteser-Hündin macht Grace lange Spaziergänge durch das Hörsteler Wohngebiet, in dem ih­re Eltern vor Jahren gebaut haben. „Grace soll sich viel bewegen,“ zitiert ihr Vater die Ärzte. Allein, unter der Kastanie direkt vor dem Haus komme sie regelmäßig zu Fall.

Deshalb hat Emerson der Stadt Hörstel - der die Parzelle mit dem Baum gehört - angeboten, das Grundstück zu kaufen oder aber den Baum zu fällen und an versetzter, weniger kritischer Stelle einen neuen zu pflanzen.

Doch da gab die Stadt kein grünes Licht, im Haupt- und Finanzausschuss vor einigen Tagen wurde Emersons Antrag einstimmig abgelehnt. „Nach entsprechender Beratung innerhalb der Stadtverwaltung sowie der Politik“ werde ihm mitgeteilt, dass die Stadt dem Fällen des Baums nicht zustimme, hatte es bereits in einem Schreiben des Hauptamtsleiters geheißen.

Während Robert Emerson nun rechtliche Schritte erwägt und gar überlegt, sein Haus zu verkaufen, spricht die Hörsteler Ortsvorsteherin Angelika Wollny „von einem ganz sensiblen Thema“. Dass es nicht nur um einen Baum gehe, sagt sie, sondern vielmehr um zwischenmenschliche Dinge. Tatsächlich fühlt sich Emerson - und er führt das auch auf seine sri-lankische Herkunft zurück - von der Nachbarschaft nicht richtig angenommen. Er vermutet, dass Anwohner wegen des Baums interveniert haben.

Nachbarin Margarethe Boß und ihr Mann wohnen wenige Meter von der Kastanie entfernt und haben dem Rat der Stadt einen Brief geschrieben, in dem sie für den Verbleib des Baumes plädieren. „Es tut mir leid, dass Grace Probleme mit dem Laufen hat, das ist für die Familie nicht einfach“, sagt Boß. Wohl wisse sie auch, wie viele Blätter der Baum abwerfe. Allerdings werde das Rondell in seinem Schatten von Nachbarn und Mitgliedern der evangelischen Jugendhilfe als Treffpunkt genutzt und diene Radfahrern als Rastplatz. Daher setze sie sich für die Kastanie ein. „Darüber hinaus wollen wir der Familie Emerson aber nur Gutes.“

» Haben Sie uns auch eine Geschichte zu erzählen, melden sie sich bei julia.gottschick@zgm-muensterland.de

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