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Wilsberg-Dreh: Vamp raubt Ekki den Verstand

Montag, 24.05.2010, 00:05 Uhr

Bösensell - Bei so viel Zärtelei wird selbst dem Wilsberg-Profi heiß. Oliver Korittke streift für zwei Mniuten den „Ekki“ ab und kippt einen Energy-Drink herunter, während er beteuert: „Das ist der erste seit einem dreiviertel Jahr, wirklich!“, die Maskenbildnerin ununterbrochen an seinen Haaren herumzupft und die Schweißperlen von der Strirn tupft. Damit der Berliner Schauspieler am Tisch der Autohof-Gaststätte Bösensell auch beim dritten Dreh der gleichen Szene seine Reize immer noch überzeugend gegen die betörende Silke ausspielen kann - nach der Wilsberg-Story eine Jugendfreundin aus Horsthausen, wo Ekki Talkötter aufgewachsen sein soll.

Sie ist sein detektivischer Untergang beim Nachtdreh in der Wilsberg-Folge „Dorfliebe“: Denn anstatt im Dämmerlicht - die 30-köpfige Filmcrew hat das Restaurant mit schwarzen Planen und Decken abgehängt - mit der aufgebretzelten Brünetten herumzuturteln, soll der hauptberufliche Steuerfahnder eigentlich eine Geldübergabe überwachen. Nadja Becker alias Silke schreitet in einem Hauch von Minirock zwischen den mit Statisten besetzten Tischen entlang. Natürlich erliegt Ekki Silkes Reizen und dem aufreizenden Po-Tatoo beim Gläschen Sekt und natürlich verpasst er die Geldübergabe. „Meine Figuren kommen aber immer so sympathisch ´rüber, dass man ihnen ihre Fehler nicht wirklich übel nimmt“, weiß der 42-Jährige.

Doch zum Reden, Trinken und Haarezauseln bleibt kaum Zeit: „Nächste Szene, setzt euch endlich wieder hin“, weist Hans-Günther Bücking seine Schauspieler an. Der Regisseur, der auch gleichzeitig die Kamera führt, lässt die Kuschelszene aus anderer Perspektive drehen: Seine „Dolly“, die Kamera als Schienenwagen, rollt jetzt von hinten nach vorn über die kurzfristig verlegten Gleise durch den Drehort.

Ebendiesen hat nicht - wie bei sonstigen Produktionsorten der Wilsberg-Reihe - ein Location-Scout der Firma Eyeworks Fiction Cologne entdeckt, sondern der Regisseur selbst. Mehrfach hat Bücking bei vergangenen Wilsberg-Produktionen im benachbarten Montana-Hotel übernachtet. Dass es dort nur Frühstück gibt, war das Glück von Alfred Schneider-Vehlken, Pächter des Autohofes. Der eingefleischte Wilsberg-Fan („Der Münster-Tatort ist mir schon fast zu klamaukig.“) bewirtete den Regisseur und hätte seine Gaststätte ab Freitagnachmittag auch ohne eine Verdienstausfallpauschale als Drehort zur Verfügung gestellt, schätzt er doch an den Wilsberg-Folgen besonders das Lokalkolorit.

Dieses ist aber nur zu einem Drittel auch wirklich „made in Münsterland“. 43 Tage dreht die Filmcrew zwei Wilsberg-Folgen parallel, neben „Dorfliebe“ „Frischfleisch“. „14 Tage schlafen wir im Design-Hotel in Münster, die restliche Zeit drehen wir in Köln und Umgebung“, erzählt Aufnahmeleiter Colin Bernett im blauen Muskelshirt, steckt sich eine an und präsentiert stolz seine beiden Standaschenbecher neben dem Chef-Regiestuhl - aus Filmdosen, Marke Eigenbau. Denn am Set herrscht viel Warterei. Und während die Schauspieler in den Drehpausen in ihren Wohnwagen verschwinden, wird das „Fußvolk“ des Sets eben kreativ. Oder poliert noch einmal Ekkis dunkelroten Alfa Romeo, der hinter der Bösenseller Tankstelle parkt.

Persönlicher erleben die Setmitarbeiter die „Stars“, sprich Korritke, Leonard Lansink, Rita Russek und Ina Paule Klink außerhalb der Drehzeit nur auf den beiden Produktionfesten innerhalb der jeweiligen Drehzeit: „Sonst ist hier jeder auch froh über jedes noch so kleine bisschen Privatspähre“, so Bernett, der heute noch bis drei Uhr nachts am Autohof-Set zu tun hat. „Leonard Lansink haben wir für 1.13 Uhr eingeplant.“ Danach dreht die Crew noch eine Motorrad-Szene von hinten, da wird er gedoubelt, aus Kostengründen - bei Produktionskosten zwischen 1,2 und 1,4 Millionen pro Folge wird jeder Euro umgedreht.

Nicht, um mehr zu verdienen, sondern weil „Schauspielerei einfach mein Leben ist“, jettet Korittke nach einem Wilsberg-Dreh nach Berlin, dreht für einen Tag an einem anderen Film, setzt sich wieder in den Flieger, um am darauffolgenden Tag wieder für Wilsberg zu drehen. Und macht auf dem Weg zu seinem Wohnwagen einen weiten Bogen um das Regal mit den Energy-Drinks im Bösenseller Autohof...

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