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Quittung für Zivilcourage: Notarztbesuch und schweigende Zeugen

Freitag, 07.05.2010, 08:05 Uhr

Ahlen - Er wollte einfach nur helfen. Doch der Einsatz für ein 16-jähriges Mädchen in Bedrängnis brachte David Pannock am späten Dienstagabend zum Notarzt. Verdacht auf Jochbeinbruch, Platzwunde an der Schläfe, mittelschwere Prellungen am ganzen Körper: Mit den Worten „Ich stech Dich ab!“ hatte ein noch unbekannter Mann auf Pannocks Einmischung reagiert. Erst nach lauten Hilfeschreien hielt ein Zeuge den nach den Worten des St.-Michael-Abiturienten wie in Rage zutretenden Mann von ihm ab. Was ihn anödet: Obwohl reichlich Zeugen da waren, hat niemand was gesehen. . .

Es hatte ein lockerer Abend werden sollen. „Ich war mit ein paar Kollegen verabredet. Wir wollten auf der Kirmes die ,schärfste Currywurst essen“, sagt David. Er lächelt schon wieder. Die Schwellung un­term blauen linken Auge ist noch deutlich sichtbar. Die Platzwunde hat der Arzt ge­tapet. „Das ganze Gesicht war blutverschmiert“, erinnert er sich. Aber zurück zum Dienstag.

Kurz vor 22 Uhr bekam Pannock einen lauten Streit auf der Hansastraße mit. Ein Mädchen in weißer Jeans wurde von einem älteren Jugendlichen geohrfeigt. „Er hat sie auch gegen ein Schaufenster geschubst. Da hab ich halt gerufen, er soll von ihr ablassen.“ Als das nicht passierte, rief Pannock dem Schläger zu, dass er jetzt die Polizei rufe.

Noch während er das tat, sprintete der Mann auf ihn zu, stieß ihn um. Dann habe er schon gedacht, er habe es überstanden. „Aber dann fing er an, mich zu treten. Gegen den Kopf, gegen den Körper, in den Bauch. Ein Glück“ - David streicht über seine Körpermitte - „hab ich ein bisschen Bauch.“ Der hat wohl die Wucht der Tritte gemindert.

Als aus einem Wettladen mehrere Männer kamen, hielt einer den Schläger von dem am Boden Liegenden ab. Aber Sekunden später ging es von vorne los. „Bis ein großer, dicker Mann ihn von mir abgebracht hat. Dann sagte er, ich soll mich verpissen!“

Das tat David Pannock. Mit blutender Schläfe rannte er in die Wichernstraße. Kinder kamen nach und gaben ihm seine durch die Tritte völlig verbogene Brille.

Die Polizei nahm die Anzeige gegen Unbekannt auf. Wegen gefährlicher Körperverletzung. Der Notarzt stellte dann doch keinen Jochbeinbruch fest. Zwar hatte David trotz der ihm ersparten Gehirnerschütterung eine Nacht keinen Schlaf wegen seiner dröhnenden Kopfschmerzen. Aber viel schlimmer ist die Geldbörse: weg. „Meine Eltern sind in Israel in Urlaub und ich hatte das ganze Haushaltsgeld.“ Weil auch die EC-Karten weg sind, mussten sich David und seine Schwester Geld bei Freunden leihen.

Die Polizeibeamten waren sich relativ sicher, dass sie den Schläger ermitteln können. Pressesprecher Martin Schnafel hat für vergleichbare Fälle einen Tipp: „Hinsehen und handeln: die 110 anrufen. Dafür ist der Notruf da.“ Sich selbst einzumischen berge immer die Gefahr, selbst verletzt zu werden. Auch andere mit um Hilfe zu bitten, sei eine Möglichkeit.

Damit stelle man Öffentlichkeit her. Das hatte David ein paar Jahre zuvor auch schon mal so gemacht. Diesmal nicht. „Ich hatte 20 Jahre lang nie eine Prügelei. Nächstes Mal rufe ich nur die Polizei." Was außer dem Unverständnis darüber bleibt, dass die Geschädigte, die den Täter kennt, dessen Namen nicht herausgeben will? David wird nachdenklich: „Die Angst. Die spürt man schon. Ich gehe jedenfalls definitiv nicht mehr allein nachts auf die Straße."

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