80 Jahre Lengerich - Artikel - Content
Der Sprung ins kalte Wasser

Dienstag, 29.06.2010, 00:06 Uhr

Lengerich - „Ich wollte Förster werden.“ Aus der Stimme von Carsten Becker spricht heute noch die Entschlossenheit, mit der er dieses Berufsziel anvisiert hat. Geworden ist er Landschafts-Architekt. „Die Aussicht, als Beamter in einer Stube zu versauern, hat mich abgeschreckt“, gibt er unumwunden zu. Den ganzen Tag an der frischen Luft - das hat der 43-Jährige heute auch nicht. Dazu ist zu viel am Schreibtisch zu erledigen. „Das Schönste ist, wenn ich zwei, drei Tage auf einer Baustelle bin. Dann mache ich das Handy aus und kann stumpf arbeiten.“ Es klingt schwärmerisch, wenn er von dieser Seite seines Berufes spricht. „Man kann ganz entspannt was machen und man sieht, was man geschafft hat“, begeistert er sich.

Was der Lengericher gewusst hat, ist eins: Was anderes machen als die Eltern. Der Vater Wirtschaftsprüfer, die Mutter Lehrerin - Carsten Becker will etwas anderes und macht eine Lehre beim Garten- und Landschaftsbauer. Es folgt das Studium an der Fachhochschule Osnabrück . Dort lernt er Stefan Niemeyer kennen. Der Studienkollege wird sein Geschäftspartner. Auslöser ist die Diplom-Arbeit.

Schwimmteiche lautet das Thema. „Das war damals ein Novum in Deutschland. In der Schweiz und in Österreich gab es das schon“, geht der Blick von Carsten Becker zurück. „Wir haben gedacht, das ist ein kommendes Thema.“ Nach Abschluss des Studiums steht der Landschafts-Architekt vor der Frage, „Sklave im Büro oder selbstständig“. Die Antwort ist einfach: Auf eigene Faust was mit Schwimmteichen machen. „Ich hatte darüber einen Bericht gelesen und das hat mich gepackt“, spricht ungebrochene Begeisterung aus Carsten Becker.

Kein leichtes Unterfangen. „Wir waren vielleicht die ersten in Deutschland“, erinnert sich der 43-Jährige an die damit verbundenen Umstände: Kaum Nachfrage und deutschlandweit unterwegs sein. Sie schauen sich um, sprechen mit Herstellern von Pumpen, Filtertechnik, Folien. „Frei in der Gestaltung sein, eine Teichlandschaft kreieren, in der man auch baden kann, die nicht als Fremdkörper wirkt.“ Schwimmteiche, das ist Carsten Becker´s Ding.

Andere haben sich vor rund 15 Jahren ebenfalls auf den Markt gewagt. „Die haben die Franchise-Schiene besetzt“, stellt er nüchtern fest. Vorgefertigte Teile verbauen, Lösungen von der Stange - das ist nicht das Ding von Carsten Becker und Stefan Niemeyer.

Schließlich haben sie den Auftrag für ihren ersten Teich in der Tasche. Fast vor der Haustür, in Osnabrück. Ein rundes Becken, fünf Meter im Durchmesser. Die Daten hat Carsten Becker sofort parat. In der ersten Zeit nach der Fertigstellung ist er öfter da. „Wie der jetzt aussieht, weiß ich nicht.“

Der zweite Schwimmteich wird ebenfalls in Osnabrück von den jungen Unternehmen installiert. Dann geht´s nach Berlin. „Bei irgendeiner RTL-Sendung gab´s einen Schwimmteich als Hauptgewinn.“ Der Name der Show ist ihm entfallen. Dafür nicht der Wunsch des Kandidaten im Fall des Gewinnens: ein Schwimmteich. Warum ein Badeteich von B + N aus Lengerich? Der 43-Jährige zuckt mit den Schultern. „Vielleicht waren wir die günstigsten“, vermutet er. Wichtig ist das nach fast 15 Jahren nicht mehr.

Im Gespräch über Schwimmteiche blüht Carsten Becker sichtlich auf. „Früher ist erdmodelliert gebaut worden“, erzählt er von den Anfängen. Ein Teich also, in den eine Pumpe kam. Viel mehr Technik sei nicht gewesen. „Heute nähern sich die Schwimmteiche immer mehr der Pooltechnik an“, zählt er Komponenten auf: Durchströmung, Flachwasserzone, Skimmer, Einströmung, externe Filter, biologische Wasseraufbereitung.

Drei Faktoren beeinflussen die Wasserqualität in einem Schwimmteich. Das Füllwasser, die Einträge aus der Luft und den Nutzer zählt er die Quellen potenzieller Einträge von außen auf. „Nährstoff­Eintrag verhindern oder diese entnehmen“, nennt er einen wichtigen, wenn nicht den wichtigsten Aspekt. „Das Füllwasser kontrollieren wir vorher immer. Was ist drin, was sagt die Analyse?“, ist der 43-Jährige in seinem Element. Das gelte auch für das Nachfüllwasser.

Aus der Luft kommen beispielsweise Pollen und Blätter, die die Wasserqualität beeinflussen. „Mit einer Strömung lässt sich der Dreck wegspülen. Aus einem Skimmer, wie beim Pool, Einträge entnehmen“, sprudelt es aus ihm heraus. Bevorzugt werden von ihm separate Biotope zur Wasserreinigung. Kies und Pflanzen sorgen dafür, dass das Nass aus dem Schwimmbereich gereinigt wird. „Von Nährstoffen und auch von Bakterien“, lenkt er das Augenmerk auf einen wichtigen Aspekt.

Hinter seinem Haus hat er ein schönes Beispiel für einen Schwimmteich. Acht mal drei Meter ist das Becken, harmonisch eingefasst in eine idyllische Teichlandschaft. „Was den Kunden immer wieder auffällt, ist das klare Wasser“, zeigt er über die Wasserfläche. Für Carsten Becker eine Selbstverständlichkeit. „Wer will schon in Modder schwimmen?“

„Wichtig ist, zuerst ein Gespräch mit dem Kunden zu führen und zu wissen, was er will“, beschreibt der Landschafts-Architekt den typischen Werdegang eines Schwimmteiches. Ist das verstanden, gibt es einen Ortstermin. „Da werden die Wünsche vor Ort noch mal thematisiert und ich kann dann einen Entwurf fertigen“, beschreibt er das weitere Vorgehen.

Ist der Kunde mit den Vorschlägen der Schwimmteich-Experten einverstanden, geht es an die Realisierung. „Wir sind da sehr flexibel. Von der reinen Planung bis zur fix und fertig gestalteten Teichlandschaft können wir alles machen“, sieht Carsten Becker in dieser Flexibilität einen großen Vorteil des Fünf-Mann­Unternehmens. „Wenn der Bauherr einen Teil der Arbeiten selbst übernehmen will, ist das kein Problem.“ Was für ihn wichtig ist: „Wir sind nicht systemgebunden und haben deshalb immer individuelle Lösungen.“

Und wenn mit dem Bauherrn die Fantasie durchgeht? „Es ist alles denkbar von der Form her, wenn die Technik es zulässt“, steht der 43-Jährige auch exotischen Vorschlägen offen gegenüber.

Sieben mal dreieinhalb Meter sollte ein Schwimmbecken seiner Erfahrung nach als Mindestmaß aufweisen. Kleinere Lösungen würden eher als Tauchbecken - beispielsweise nach dem Saunagang - taugen. Die sind allerdings in Relation kaum günstiger als Schwimmbecken. „Unter ­40 000 Euro läuft nichts“, nennt Carsten Becker eine Größenordnung. Nach oben hin gibt´s keine Grenze.

Carsten Becker und Stefan Niemeyer haben mit ihren drei Mitarbeitern (zwei Gesellen, ein Auszubildender) gut zu tun. Was für ihn das Entscheidende ist bei einem Auftrag? Carsten Becker überlegt nicht lange. „Ich brauche das Gefühl, hinter der Sache zu stehen. Sonst könnte ich es nicht verkaufen.“ Ein Blick ins Gesicht - das meint der 43-Jährige so entschieden, wie er es gesagt hat.

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