Filmrezensionen
„Marcello, Marcello“: Geschenke für den Schwiegerpapa

Donnerstag, 10.06.2010, 16:06 Uhr

Praller die Tomaten nie waren: Das Märchenland, in das dieser sommerfrohe Wohlfühlfilm von der ersten Einstellung an entführt, ist das Italien der 50er, eine fiktive Insel vor Neapel . Mit lauter dekorativ im prallen Sonnenlicht verfallenden Mauern, gelbstmöglichen Zi­tronen und orangestmöglichen Orangen auf dem Dorfmarkt und einem schönstmöglichen verhinderten Paar im Zentrum des Geschehens.

Da ist zunächst der Titelheld, der junge Marcello (Francesco Mistichelli), ein Fischersohn mit sonnenbraunem Antlitz. Als Erzähler weiht er uns in die Tragik der Inselbewohner ein: Einer bizarren Tradition wegen sind auf Amatrello alle Ehepaare unglücklich. Nach alter Väter Sitte nämlich obliegt es allein den Hausherren zu entscheiden, wer ihre Töchter an deren 18. Geburtstagen erstmals zu einem Rendezvous ausführen darf, und die Gunst erwirbt nur derjenige junge Verehrer, der dem Papa das schönste Geschenk mitbringt. Das verleitet zu Angeberei und führt naturgemäß zu lauter traurigen Paaren.

Marcello hasst diesen Brauch, kommt aber auch nicht um ihn herum, als er sich in die schöne Elena verliebt, ausgerechnet die Tochter des Bürgermeisters (gespielt vom römischen Model Elena Cucci). Das perfekte Geschenk für den Vater hat er auch schon: den krähenden Hahn des Händlers, der den Stadtoberen beständig nervt. Doch Marcello bekommt ihn nur, wenn er dem Händler im Gegenzug zwei Flaschen des sagenumwobenen Limoncello zweier spinnöser alter Jungfern von der Nachbarinsel bringt. Doch die geben sie ihm nur, wenn er wiederum ihnen... Das Prinzip ist klar: Ein Tauschreigen setzt sich fort, bis der Fluch der falschen Paare sein Ende findet.

Der Schweizer Regisseur Denis Rabaglia , der schon mit dem Programmkino-Hit „Azzurro“ schwiegermuttertaugliches Sonnenscheinkino schuf, inszeniert sein von lauter gemäßigt schrägen Typen bevölkertes Dorfmärchen (kurioserweise ersonnen vom englischen Musiker Mark D. Hatwood) hemmungslos nostalgisch mit einigem „Don Camillo“-Humor und sowieso von allen gesellschaftlichen Realitäten unbeleckt - zum Glück aber auch beruhigend unkitschig. Vom Termin her passt das durchaus: eine harmlos-fröhliche Sommerromanze für WM-Abstinenzler. Tut nicht weh und macht nicht schwitzen.

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