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Lufttransportkommando in Münster wird aufgelöst - Nachfolger in Eindhoven

Dienstag, 01.06.2010, 21:06 Uhr

Münster - Das, was da Ende Juni mit dem Lufttransportkommando (LTKdo) passiert, ist formal gesehen durchaus eine komplizierte Sache. Die Division, die von Münster aus jeden einzelnen Transportflug der Luftwaffe steuert, der die Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums untersteht und der Such- und Rettungsdienst (SAR), wird zugunsten einer europäischen Variante aufgelöst.

Nach einigen Unstimmigkeiten über den endgültigen Standort, den üblichen Verzögerungen und Reibungen soll das European Air Transport Command (EATC) nun Anfang Oktober im niederländischen Eindhoven einsatzbereit sein. Vier Nationen, die Niederlande, Belgien, Frankreich und Deutschland, sind daran beteiligt.

Da das Lufttransportkommando am 30. Juni seine Verantwortung abgibt, das EA­TC jedoch erst drei Monate später das Kommando übernimmt, „können wir Ende Juni offiziell noch nicht von der Auflösung unseres Kommandos reden“, sagt Hauptmann Stefan Kamp , der Sprecher. Darum würden die drei Verbände des LTKdo der 1. und 4. Luftwaffendivision unterstellt.

Folglich muss die Veranstaltung, die mit ei­nem Großen Zapfenstreich vor dem münsterischen Schloss feierlich endet, sprachlich passgenau und jede Klippe umschiffend umschreiben, was letztlich doch nichts anderes als den Anfang vom Ende bedeutet: „Appell zur Unterstellungsänderung der Lufttransportverbände aus Anlass der beabsichtigten Außerdienststellung des Lufttransportkommandos“, heißt das Ganze jetzt - verbunden damit ist die Verabschiedung des Kommandeurs Generalmajor Hans-Werner Ahrens in den Ruhestand.

40 Jahre Lufttransportkommando, das ist eine lange Zeit - und eine wechselvolle Geschichte, die den politischen Veränderungen derart Rechnung zollt, dass die an den drei Geschwaderstandorten in Hohn, Wunstorf und Penzing stationierten Maschinen und Besatzungen in vielen Ländern dieser Erde im Einsatz sind. „First in, last out“ - „als erste in einen Einsatz, als letzte hinaus“, aus der Tatsache wurde so etwas wie ein Leitspruch der Transportflieger.

Für die Geschwader und ih­re Soldaten ändert sich durch die Auflösung, die am 31. Dezember offiziell erfolgen wird, faktisch nichts. „Sie sind dann eben dem EATC unterstellt“, sagte Kamp. Für Münster hingegen ändert sich eine ganze Menge. Nicht nur, dass die Garnisonsstadt Soldaten verliert - derzeit arbeiten beim LTKdo rund 275 militärische und zivile Mitarbeiter. Zentral in der Stadt steht dann auch eine Kaserne, um deren künftige Verwendung lange schon gerungen, über die aber längst noch entschieden ist. Möglicherweise wird das historische und in Teilen denkmalgeschützte Gebäude auch künftig Dienstposten der Truppe beherbergen. „Wir gehen davon aus, dass sich die neu installierte Strukturkommission der Bundeswehr bis zum Jahresende auch zu diesem Gebäude äußern wird“, sagt der Hauptmann verhalten. „Bis Oktober jedenfalls wird die Gefechtsstand genannte Einsatzzentrale im Dienst bleiben.“ Von wo aus Flugbereitschaft und SAR-Flieger künftig gesteuert werden, ist noch ungewiss.

Im Jahr 1999 hatte der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping die Idee ei­nes europäisch organisierten militärischen Lufttransports mit seinem französischen Amtskollegen Alain Richard diskutiert. Die Vorteile lagen auf der Hand: Teilen sich mehrere Nationen diese Aufgaben, lassen sich Syne­rgien nutzen, was enorm Kosten spart.

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