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Er macht das letzte Foto - Nienberger fotografiert Tote

Dienstag, 22.06.2010, 17:06 Uhr

Münster - Ein Foto. Zum Anschauen. Als Andenken . Zur Erinnerung an einen Menschen, der nicht mehr lebt. Das Gesicht des geliebten Partners, der Eltern, des Kindes, das tot geboren wurde, im Bild festhalten - wer Abschied nehmen muss, ist unendlich traurig.

Dr. Martin Kreuels hat Abschied genommen. Von seiner Frau Heike , die im vergangenen Jahr zu Hause gestorben ist. Gemeinsam mit seinen vier Kindern, die heute zwölf, neun, sieben und drei Jahre alt sind. Der Abschied war sehr intensiv. Er hat zweieinhalb Jahre gedauert, in denen seine Frau palliativ versorgt wurde.

Anton war es, der seinen Vater auf eine ungewöhnliche Idee brachte. Als Heike Kreuels die Augen für immer schloss, griff der Sohn ganz automatisch zur Kamera und machte Fotos von seiner toten Mami. Er wollte es so. Als Andenken. „Das war genau richtig“, sagt sein Vater Martin Kreuels, der bei der Hospizbewegung eine Ausbildung zum Sterbebegleiter absolviert hat und dabei Angehörige kennengelernt hat, die gerne ein letztes Foto ihrer Lieben haben möchten.

Martin Kreuels erinnert daran, dass es früher auf dem Land üblich gewesen sei, Tote zu fotografieren und das Bild dann bei sich zu tragen. „Nach dem Krieg ist dieser Brauch verloren gegangen. Vermutlich wollten die Menschen nur noch nach vorne blicken und nicht zurück, auf die vielen Toten“, erklärt Martin Kreuels.

Er bedauert es, dass die Gepflogenheit, den Verstorbenen zu fotografieren, eingestellt wurde. Denn das Gesicht des Verstorbenen würde mit der Zeit mehr und mehr verblassen. Ein Bild helfe, sich daran zu erinnern, sagt Martin Kreuels, der die Erfahrung hat, mit dem Tod umzugehen. Sechs Wochen nach der Geburt seines jüngsten Sohnes erkrankte seine Frau an Krebs. Eine unglaublich sensible Phase, die viel Gefühl erforderte, in der es dem Familienvater dennoch gelungen ist, die Kinder frühzeitig auf den Abschied vorzubereiten und den Tod als Teil des Lebens einzubeziehen. Die Beerdigung war auf die Kinder abgestimmt. Sie haben den Sarg ihrer Mutter bemalen dürfen. Und Luftballons gehörten auch dazu.

Kreuels kann mit dem Fotoapparat umgehen und weiß um die Würde der Verstorbenen, wenn er sie ablichtet. Er möchte bundesweit die Dienstleistung der Totenfotografie anbieten und ist in Nienberge unter Telefon 0 25 33 / 93 35 45 zu erreichen. Ein Viertel seines Honorars, so betont der 41-jährige selbstständige Biologe und Fotograf, wolle er jeweils an die Hospizbewegung weitergeben.

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