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Wulffs Westerkappelner Wurzeln

Dienstag, 29.06.2010, 14:06 Uhr

Westerkappeln - Ende der 1960er Jahre in einem Westerkappelner Garten: Ein kleiner Junge tobt ausgelassen mit seiner Schwester herum und freut sich seines jungen Lebens. Zugegeben: Dies ist eigentlich keine Szene, die es wert wäre, noch 40 Jahre später berichtet zu werden. Jedoch war es ein ganz besonderer Steppke, der da über den Rasen tollte. Einer, der am Mittwoch mit einiger Wahrscheinlichkeit zum deutschen Staatsoberhaupt gewählt werden wird: Christian Wulff .

Nachbarin Hannelore Duwendag hat den Bundespräsidenten in spe damals häufig beim Spielen im Garten des Hauses Wulff gesehen. Wenn er und seine Schwester Elisabeth Schulferien hatten, besuchten sie regelmäßig ihren Vater Rudolf, der die Familie verlassen und zu seiner Mutter nach Westerkappeln gezogen war, als Christian zwei Jahre alt war. „Dann flitzte er hier durch den Garten, und die Haare wehten“, erinnert sich Hannelore Duwendag in einem fürs Fernsehen produzierten Beitrag.

Christian Wulff - ein Stück Westerkappeln ist in ihm. Selbst zwar in Osnabrück-Atter bei seiner Mutter aufgewachsen, ist er dank seines Großvaters Wilhelm mit Kappelner Wurzeln ausgestattet. Wilhelm Wulff, geboren 1881 in Wersen, war seit 1910 Hauptlehrer der Westerkappelner Stadtschule. Er galt als zwar durchaus strenger, aber auch fairer und netter „Pauker“. Strafarbeiten von ungezogenen Schülern ließ er sich schon mal nach Hause bringen. Aber trotzdem: „Er war prima“, erinnert sich die fast 90-jährige Mathilde Reinecke, die acht Jahre Unterricht bei Wilhelm Wulff hatte. „Man hat viel bei ihm gelernt. Besonders Rechnen war ihm wichtig.“

Wilhelm Wulff hat sich nicht nur als Hauptlehrer um Westerkappeln verdient gemacht. So war der engagierte Naturschützer viele Jahre lang Organist der Stadtkirche und richtete ein Heimatmuseum ein, das alte Gebrauchsgegenstände aus Westerkappelns Vergangenheit zeigte.

Nach den Wirren der Nachkriegszeit blieb von dem Museum allerdings nichts mehr übrig. Christian Wulff war es nicht vergönnt, seinen Großvater kennen zu lernen: Wilhelm Wulff starb 74-jährig im Oktober 1955 - vier Jahre vor der Geburt seines heute berühmten Enkels.

Auch Christian Wulffs Vater Rudolf und seine Oma Berta sorgten dafür, dass es in Westerkappeln etwas zu sehen gab. Sie führten gemeinsam ein Kino im Ort - das „Weli“-Theater (Westerkappelner Lichtspiele). Wo sich die Westerkappelner damals die neuesten „Schinken“ anschauten, findet sich heute das Lokal „Saitensprung“.

„Ich kann mich noch gut erinnern, wie Christian Wulffs Oma Berta im Foyer saß und die Tickets verkaufte“, erzählt Heinz Schröer, Westerkappelner Heimatforscher. Auch Christian Wulff und seine Schwester Elisabeth waren oft mit von der Partie und schauten sich die neuesten Streifen an. „Dick und Doof“ waren damals besonders beliebt.

Von seine Kino-Erinnerungen bei „Oma Berta“ berichtete Christian Wulff noch kürzlich in einer Fernseh-Talkshow. Berta Wulff, die im Alter erblindete, wurde „uralt“ - sie starb erst mit 102 Jahren. „Voller Stolz hat sie die politische Karriere ihres Enkels bis zu ihrem Tod mitverfolgt“, erinnert sich Mathilde Reinecke, die viele Jahre Tür an Tür mit Berta Wulff wohnte.

Vor einigen Jahren verkauften Christian Wulff und seine Schwester das an der Osnabrücker Straße gelegene Haus Wulff. Aber obwohl das so ist und Christian Wulff als noch amtierender niedersächsischer Ministerpräsident seit Jahren in Hannover lebt - falls er Mittwoch gewählt werden sollte, können die Westerkappelner mit Fug und Recht sagen: Ein bisschen was von Westerkappeln steckt drin im Präsidentenamt.

Damit wäre Wulff schon der zweite Bundespräsident mit einer besonderen Beziehung zu Westerkappeln. Johannes Rau, von 1999 bis 2004 erster Mann im Staat, hatte ein Patenkind in Seeste und war in seiner Zeit als nordrhein-westfälischer Ministerpräsident (1978 bis 1998) häufig in der Gemeinde zu Besuch - immer rein privat.

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